Eine sachgerechte Schmierung ist entscheidend für die optimale Leistungsfähigkeit und eine lange Lebensdauer von Stehlagern.

Ohne sie sind diese sicherheits- und betriebsrelevanten Komponenten deutlich anfälliger für erhöhten Verschleiß und stärkere Reibung – mit der Folge eines vorzeitigen Lagerschadens, kostspieliger Ausfallzeiten und geringerer Effizienz.

Dieser Leitfaden gibt praxisnahe Hinweise zur Auswahl des geeigneten Fetts für Stehlager und behandelt zentrale Schmiereigenschaften, mehr als 15 Markenempfehlungen sowie Anwendungs- und Verarbeitungsmethoden.

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Kurzantwort

Für die meisten Lager istein Lithium-Komplexfett der NLGI-Klasse 2 mit EP-Additivender beste Ausgangspunkt. Es deckt Temperaturen von −30°C bis +140°C ab, ist beständig gegen Auswaschung durch Wasser und eignet sich für unterschiedliche Lastbereiche.

Bei lebensmitteltauglichen, schnelllaufenden oder extrem temperaturbelasteten Anwendungen fällt die Wahl anders aus – die vollständige Einordnung finden Sie unten.

Stehlager

Wesentliche Eigenschaften von Schmierfett

Die richtige Fettauswahl setzt das Verständnis einiger entscheidender technischer Kennwerte voraus. Nur ein optimal abgestimmter Schmierstoff bietet maximalen Schutz und verlängert die Lagerlebensdauer deutlich.

Grundölviskosität

Die Grundölviskosität bestimmt die Tragfähigkeit des Schmierfilms unter unterschiedlichen Betriebsbedingungen.

  • Niedrige Drehzahlen und hohe Lasten: öle mit höherer Viskosität erhalten einen tragfähigeren Schmierfilm aufrecht, der für den Schutz des Lagers unter Belastung unerlässlich ist.

  • Hochgeschwindigkeitsanwendungen: Grundöle mit niedrigerer Viskosität verringern Walkverluste und Wärmeentwicklung.

Konsistenz (NLGI-Klasse)

Die NLGI -Kennzahl (National Lubricating Grease Institute) beschreibt die Konsistenz des Schmierfetts und reicht von 000 (sehr dünnflüssig) bis 6 (außerordentlich fest).

NLGI 2 wird für die meisten Stehlager allgemein empfohlen — es bietet ein hervorragendes Verhältnis von Förderbarkeit und Haftvermögen für eine Vielzahl von Anwendungen. Unter bestimmten Einsatzbedingungen kann jedoch eine andere NLGI-Klasse erforderlich sein.

Die Konsistenz sollte sich durch Temperatur oder mechanische Beanspruchung nur geringfügig verändern:

  • Erweichung bei hohen Temperaturen: kann zu Fettverlusten aus Lagern und Gehäusen führen.

  • Verfestigung bei niedrigen Temperaturen: kann den Leichtlauf des Lagers beeinträchtigen.

Additive

Schmierfettformulierungen enthalten häufig Additive, um bestimmte Leistungseigenschaften gezielt zu verbessern:

  • Extreme-Pressure-(EP)-Additive: sind für Hochlastanwendungen unverzichtbar. Diese Verbindungen bilden auf Metalloberflächen einen Schutzfilm und verhindern bei hoher Druckbelastung den direkten Metall-auf-Metall-Kontakt. Bei der Bewertung von EP-Schmierfetten sollte geprüft werden, ob sie die ASTM D2596 -Normen für Schweißpunkt und Lasttragevermögen erfüllen.

  • Korrosionsschutz und Wasserbeständigkeit: Lithiumverseifte Schmierfette sind wegen ihrer guten Wasserbeständigkeit weit verbreitet; Polyharnstofffette bieten jedoch eine noch höhere Auswaschbeständigkeit und Oxidationsstabilität — ideal für feuchte oder nasse Umgebungen.

Die Einteilung von Schmierfetten nach Verdicker ist entscheidend, um das optimale Schmiermittel für Wälzlager auszuwählen:

Tabelle 1: Gängige Schmierfettarten nach Verdicker

Schmierfettart

Wesentliche Leistungseigenschaften

Allgemeines lithiumverseiftes Schmierfett

Vielseitig einsetzbar: hohe mechanische Stabilität, gute Wasser- und Oxidationsbeständigkeit, wirksamer Rostschutz

Calciumverseift

Zuverlässiger Schutz vor Wasser und Oxidation; gute Beständigkeit gegen Auswaschung durch Wasser

Komplexes Calciumverseiftes Fett

Spezialist für hohe Temperaturen und feuchte Umgebungen; ideal für anspruchsvolle Einsatzbedingungen

Calcium-Natriumverseift

Ausgewogene Stabilität: gute mechanische und kolloidale Stabilität

Natriumverseift

Hitzebeständig, jedoch wasserempfindlich; bei Wärme leistungsfähig, aber ohne ausreichende Wasserbeständigkeit

Synthetisch natriumverseift

Wasserempfindlich, hitzebeständig; trotz hoher Temperaturbeständigkeit nicht für Wasserkontakt geeignet

Temperatur

Das Fett muss seine Schmiereigenschaften über den gesamten Temperaturbereich, dem das Lager ausgesetzt ist, zuverlässig beibehalten.

  • Hochtemperaturanwendungen: synthetische Fette übertreffen mineralölbasierte Fette häufig. Synthetische Schmierstoffe bieten eine höhere thermische Stabilität, bessere Oxidationsbeständigkeit und einen größeren Einsatztemperaturbereich.

  • Tieftemperaturanwendungen: muss das Fett pumpfähig und fließfähig bleiben. Rezepturen mit niedrigerer Viskosität oder synthetischen Grundölen gewährleisten eine zuverlässige Schmierung sowohl beim Anlauf als auch im Dauerbetrieb.

Tabelle 2: Fetteigenschaften nach NLGI-Klasse und Grundöl

Merkmal

NLGI 2 (Allgemein)

NLGI 3 (Fester)

Synthetisch (hohe Temperaturen)

Mineralöl (Standard)

Eignung für Stehlagergehäuse

Sehr gut für den allgemeinen Einsatz geeignet

Geeignet für senkrechte Wellen und Schwingungsbelastung

Hervorragend für hohe Temperaturen geeignet

Geeignet für Standardtemperaturen

Hochtemperaturumgebung

Gut, jedoch durch das Grundöl begrenzt

Gut, jedoch durch das Grundöl begrenzt

Überlegene thermische Stabilität

Eingeschränkt, oxidationsanfällig

Pumpfähigkeit

Gut

Mittel

Über einen breiten Temperaturbereich gut geeignet

Variiert je nach Viskosität des Grundöls

Kosten

Mittel

Mittel

Höher

Niedriger

Zur Veranschaulichung der Temperaturbeständigkeit verschiedener Fetttypen auf Basis des Grundöls:

Temperaturbereiche von Schmierfetten in Abhängigkeit vom Grundöl

Schmierfett für Stehlager- und Rollenlager

Stehlager verwenden in der Regel Kugel- oder Rolleneinsätze, sodass sich die Anforderungen an das Schmierfett weitgehend decken. Dennoch sind einige Unterschiede zu beachten:

Anwendung

Schmierfett-Anforderung

Stehlager (Kugeleinsatz)

NLGI 2 Lithium-Komplexfett mit EP-Additiven; Standardviskosität; Schwerpunkt auf Abdichtung und Schmutzresistenz

Stehlager (Rolleinsatz)

Ein etwas höher viskoses Grundöl wird empfohlen, um bei höheren Radiallasten den Schmierfilm aufrechtzuerhalten; EP-Additive sind unverzichtbar

Offene Rollenlager (ohne Gehäuse)

Es gelten dieselben Grundsätze hinsichtlich EP-Eigenschaften und Viskosität, jedoch ohne Dichtsystem des Gehäuses – die Beherrschung von Verschmutzungen hängt hier vollständig von der Schmierfettwahl und der Nachschmierfrequenz ab

Bestes Schmierfett für Hochgeschwindigkeitslager

Hochgeschwindigkeitsanwendungen stellen besondere Anforderungen an das Lagerfett. Walkverluste, Wärmeeintrag und Ölabscheidung werden zu kritischen Ausfallmechanismen, denen ein standardmäßiges NLGI-2-Mineralfett unter Umständen nicht ausreichend begegnet.

Wichtige Regel:Mit steigender Drehzahl sollte auf ein Grundöl mit geringerer Viskosität umgestellt werden; zudem sind Polyharnstoff- oder synthetische Verdicker (PAO/Ester) für eine bessere thermische Stabilität und geringere Walkverluste zu prüfen.

Drehzahlbereich

Empfohlene Schmierfettart

Beispielprodukte

Standard (<3.000 U/min)

NLGI 2, mineralisch, Lithium-Komplex

SKF LGMT 2, Shell Gadus S2 V220

Mittlerer bis hoher Drehzahlbereich (3.000–10.000 rpm)

NLGI-Klasse 1–2, Polyharnstoff oder synthetisches Grundöl

Chevron SRI Grease 2, Klüber BEM 41-141

Hohe Drehzahl (>10.000 rpm)

NLGI-Klasse 1, synthetisches PAO- oder Estergrundöl, Polyharnstoffverdicker

NSK Clean Grease LGU, Klüber BEM 41-141

Für HVAC-Lüfter und -Gebläse mit Stehlagern gelten polyharnstoffverdickte Schmierfette als Industriestandard: Sie eignen sich für den Dauerbetrieb bei erhöhten Drehzahlen und bieten zugleich eine hohe Oxidationsbeständigkeit über lange Nachschmierintervalle.

Drehzahl und Belastung beeinflussen die Fettwahl unmittelbar: Höhere Lasten erfordern selbst bei erhöhten Drehzahlen eine höhere Viskosität. Für Berechnungen zur Tragzahl siehe unser Analyse von Tragfähigkeit und Leistungsfähigkeit.

Empfohlene Schmierfette im Überblick

Die nachstehende Tabelle ordnet die Schmierfett-Empfehlungen nach Hersteller und stellt die wichtigsten Eigenschaften für Ihre Auswahl zusammen.

Tabelle 3: Empfohlene Schmierfette nach Hersteller für Stehlager

Hersteller

Fettbezeichnung

NLGI

Temperaturbereich (°C)

Grundöl

Verdicker

Farbe

Wesentliche Merkmale

SKF

LGWA 2

2

−30 bis +140 (Spitzenwert +220)

Mineralölbasis

Lithium-Komplex

Bernsteinfarben

Hervorragende EP-Eigenschaften

SKF

LGFG 2

2

−30 bis +140

Weißes Mineralöl

Aluminium-Komplex

Braun

Lebensmittelgeeignet; wasserbeständig

SKF

VT307

000–00

−25 bis +80

Mineralölbasis

Lithium

Braun

Halbflüssig

SKF

LGMT 2

2

−30 bis +120

Mineralölbasis

Lithium

Bernsteinfarben

Oxidationsstabilität

SKF

LGMT 3

3

−30 bis +120

Mineralölbasis

Lithium

Bernsteinfarben

Festere Konsistenz

Timken

Industriefett

2

−29 bis +177

Mineralölbasis

Lithium-Komplex

Rot

Hervorragende EP-Eigenschaften

Timken

Automobilfett

2

−40 bis +177

Mineralölbasis

Lithium-Komplex

Rot

Überlegener Schutz für Radlager

Timken

Schienenfett

2

−40 bis +121

Mineralölbasis

Lithium-Komplex

Dunkelbraun

Speziell für den Eisenbahneinsatz

Chevron

SRI-Fett 2

2

−29 bis +177

Mineralölbasis

Polyharnstoff

Grün

Hohe Temperaturstabilität

FAG

Arcanol

2

−30 bis +140

Mineralölbasis

Lithium-Komplex

Gelb / Braun

Optimiert für Schaeffler-Lager

Fuchs

Renolit CX-EP

2

−30 bis +140

Mineralölbasis

Calciumsulfonat

Blau

Wasserbeständigkeit

Klüber

BEM 41-141

1/2

−30 bis +150 (kurzzeitig +180)

Synthetisch (Ester)

Polyharnstoff

Beige

Hochgeschwindigkeitslager

Mobil

Mobilgrease XHP 222

2

−20 bis +140

Mineralölbasis

Lithium-Komplex

Blau

Hervorragende Beständigkeit gegen Auswaschung durch Wasser

Molykote

Longterm 2 Plus

2

−25 bis +110

Mineralölbasis

Lithiumseife

Schwarz

Für hohe Belastungen, mit Festschmierstoffen, verschleißmindernd

Molykote

Multilub

2

−25 bis +120

Mineralölbasis

Lithiumseife

Gelblich-beige

EP-Additive, Korrosionsschutz, mittlere bis schwere Belastungen

NSK

Clean Grease LGU

2

−30 bis +130

Synthetisch (PAO)

Polyharnstoff

Weiß

Geringe Staubentwicklung; für Reinraumanwendungen

NSK

Clean Grease LG2

2

−20 bis +110

Mineralölbasis

Lithium

Cremefarben / Gelb

Geringe Partikelemissionen, niedriges Drehmoment, lange Lebensdauer

Shell

Gadus S2 V220 AD2

2

−25 bis +130 (Spitzenwerte +180)

Mineralölbasis

Lithium-Komplex

Rot

Hochleistungs-EP; für schwere Belastungen; wasserbeständig

Für einen umfassenderen Vergleich von SKF, Timken, NSK und weiteren Herstellern über verschiedene Wälzlagerbaureihen hinweg, siehe unsere Die führenden Hersteller von Stehlagern im Jahr 2026.

Wie Stehlager fachgerecht abgeschmiert werden

Die fachgerechte Schmierung von Stehlagern ist ebenso wichtig wie die Auswahl des richtigen Schmierstoffs. Nur die korrekte Vorgehensweise stellt sicher, dass das Fett das Lager wirksam schützt, seine Lebensdauer verlängert und vorzeitigem Ausfall vorbeugt. Wenn Sie das Lager noch nicht montiert haben, lesen Sie zunächst unsere Schritt-für-Schritt- Montageanleitung für Stehlager zunächst.

Manuelle Schmierverfahren (mit Fettpresse)

Bei dieser Methode wird eine Fettpresse verwendet; sie ist branchenübergreifend die gebräuchlichste Art, Stehlager zu schmieren.

Stehlager manuell abschmieren

Vorbereitung und Sicherheit

  • Herstellerhinweise beachten zu Fettart, Fettmenge und Schmierintervall.

  • Sauberkeit ist entscheidend: Achten Sie darauf, dass Fettpresse, Schmiernippel und der umliegende Bereich sauber sind. Schon kleinste abrasive Partikel verursachen erhebliche Schäden.

  • Tragen Sie geeignete Schutzhandschuhe und einen Augenschutz (PSA).

Die richtige Fettmenge bestimmen

Zu viel Fett ist ein häufiger Fehler und kann ebenso schädlich sein wie zu wenig Schmierung. Ein Fettüberschuss führt zu:

  • Erhöhter Betriebstemperatur: Eine Überfüllung verursacht Walkarbeit und damit eine übermäßige Wärmeerzeugung, die das Fett und die Lagerbauteile schädigt.

  • Dichtungsschäden: Ein zu hoher Druck durch Überfettung kann Dichtungen herausdrücken, sodass Verunreinigungen eindringen können.

Allgemeine Richtlinien:

  • Neue Lager: Füllen Sie den Lagerinnenraum und das Gehäuse zu einem Drittel bis zur Hälfte. Vermeiden Sie eine vollständige Befüllung des Gehäuses – für den Austritt von überschüssigem Fett und die Wärmeabfuhr muss Freiraum vorhanden sein.

  • Nachschmierung: Fügen Sie eine kleine, genau abgemessene Menge hinzu. Eine gängige Faustregel lautet: etwa 0,005 × D × B Grammzugeben, wobei D der Außendurchmesser des Lagers (mm) und B die Lagerbreite (mm) ist.

  • Sichtkontrolle: Achten Sie beim Abschmieren auf Veränderungen im Lagergeräusch und auf Temperaturschwankungen.

Schmierintervall

Die Schmierhäufigkeit hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Betriebsbedingungen: Höhere Drehzahlen, größere Lasten und Temperaturen über 55°C (130°F) erfordern eine häufigere Nachschmierung.

  • Umgebungsbedingungen: Feuchte, staubige oder korrosive Umgebungen erfordern eine deutlich häufigere Nachschmierung.

  • Fetttyp: Einige Langzeit- oder Synthetikfette ermöglichen längere Nachschmierintervalle.

  • Lagertyp und Lagergröße: Größere Lager und Lager unter erschwerten Betriebsbedingungen erfordern in der Regel häufigere Wartung.

Methoden zur Festlegung der Nachschmierintervalle:

  • Zeitbasiert: Die einfachste Methode, basierend auf Betriebsstunden oder Kalenderzeit.

  • Zustandsbasiert: Schwingungsanalyse und Ultraschallprüfung helfen dabei, den Zeitpunkt der erforderlichen Nachschmierung zu bestimmen. Bei der Ultraschallüberwachung weist ein Abfall des Dezibelpegels häufig auf diesen Bedarf hin.

  • Berechnete Intervalle: Viele Lagerhersteller stellen Formeln oder Diagramme bereit, die auf Lagertyp, Größe, Drehzahl und Temperatur basieren.

Tabelle 4: Empfohlene Nachschmierintervalle nach Betriebszustand

Umgebung

Betriebstemperatur

Intervall

Hinweise

Relativ sauber und trocken

0 °C bis 49 °C

6–12 Monate

Mehrzweckfett

49°C bis 71°C

1–2 Monate

Mehrzweckfett mit guter Oxidationsstabilität

71°C bis 93°C

1–4 Wochen

Hervorragende thermische Stabilität und Oxidationsbeständigkeit erforderlich

Mäßig bis extrem verschmutzt

0°C bis 93°C

1–4 Wochen

Hochreines Fett mit guter Verdrängungswirkung gegenüber Verunreinigungen

Hohe Feuchtigkeit und direkter Wasserkontakt

0°C bis 93°C

1 Woche

Überlegene Wasserbeständigkeit und Korrosionsschutz erforderlich

Sehr niedrige Temperatur

Unter 0°C bis −40°C

Hersteller konsultieren

Spezialfett für kalte Umgebungen (niedrigtemperaturtaugliche Fließfähigkeit)

Extreme Temperaturen

Über 93°C oder unter −40°C

Hersteller konsultieren

Hochspezialisiertes Fett oder alternative Schmierung (z. B. Öl). Möglicherweise ist ein anderer Lagertyp erforderlich.

Eine fachgerechte Nachschmierung setzt auch die richtigen Dichtungen voraus. Verliert Ihr Lager das Fett schneller als erwartet, können verschlissene Dichtungen die Ursache sein – siehe unsere Leitfaden zu Dichtungen für Stehlagergehäuse zur Auswahl des Dichtungstyps.

Nachschmierverfahren

  1. Anlage abstellen (wenn möglich) – schmieren Sie die Lager im stillgesetzten und gegen Wiedereinschalten gesicherten Zustand. Ist die Schmierung im laufenden Betrieb erforderlich, ist äußerste Vorsicht geboten.

  2. Schmiernippel reinigen – den Schmiernippel mit einem sauberen Tuch abwischen, um Schmutz und altes Fett zu entfernen.

  3. Fettpresse ansetzen und sicher mit dem Nippel verbinden.

  4. Fett langsam einpressen damit es sich gleichmäßig verteilt und kein übermäßiger Druck aufgebaut wird. Bei größeren Lagern mit Entlastungs- bzw. Spülbohrungen weiterpressen, bis an den Dichtungen oder an der Spülbohrung frisches Fett austritt.

  5. Fettpresse abnehmen.

  6. Säubern – ausgetretenes oder überschüssiges Fett entfernen, damit sich kein Staub und Schmutz ansammeln.

Überwachung und Kontrollen nach der Nachschmierung

  • Temperatur: mit einem Infrarotthermometer prüfen. Ein leichter Temperaturanstieg unmittelbar nach der Schmierung ist normal, da sich das Fett verteilt; anschließend sollte die Betriebstemperatur wieder auf den Normalwert zurückgehen.

  • Geräusche und Vibrationen: Ungewöhnliche Geräusche oder erhöhte Vibrationen können auf Überfettung oder andere Probleme hinweisen.

  • Sichtprüfung: Dichtungen regelmäßig auf Beschädigungen oder Anzeichen übermäßigen Fettsaustritts prüfen.

Automatische Schmierung (zentralisierte Fettschmieranlagen)

Bei umfangreichen Lageranordnungen, komplexen Maschinen oder gefährdeten Umgebungen bieten zentralisierte Fettschmieranlagen eine effiziente, präzise und automatisierte Schmierlösung. Diese Systeme fördern über eine Pumpe exakt dosiertes Fett gleichzeitig an mehrere Schmierstellen.

Wesentliche Vorteile:

  • Optimale und gleichmäßige Schmierung: präzise Fettzufuhr in exakt definierten Intervallen, wodurch Unter- und Überfettung vermieden werden.

  • Erhöhte Sicherheit und Effizienz: reduziert manuelle Eingriffe in Gefahrenbereichen, verlängert die Lagerlebensdauer und minimiert Stillstandszeiten.

Zentralisierte Fettschmieranlagen

Häufig gestellte Fragen

Welches Fett ist für Lager am besten geeignet?

Für die meisten Standardlager ist ein Lithiumkomplexfett der NLGI-Klasse 2 mit EP-Additiven der beste Ausgangspunkt. Es deckt Temperaturen von −30°C bis +140°C ab, ist beständig gegen Auswaschung durch Wasser und eignet sich für ein breites Lastspektrum. Für lebensmitteltaugliche Anwendungen sollten Sie auf ein FDA-konformes Aluminiumkomplexfett umstellen (z. B. SKF LGFG 2). Für Hochgeschwindigkeitslager über 10.000 rpm empfiehlt sich ein synthetisches Fett auf PAO- oder Esterbasis mit Polyharnstoffverdicker.

Welches Fett wird für Stehlagergehäuselager empfohlen?

Ein Lithiumkomplexfett der NLGI-Klasse 2 mit EP-Additiven ist die Standardempfehlung für die meisten Anwendungen mit Stehlagergehäuselagern. Für anspruchsvolle Bedingungen — starke Verunreinigung, erhöhte Temperaturen oder Anwendungen in der Lebensmittelverarbeitung — sind spezielle Fetttypen erforderlich. In der obenstehenden vollständigen Empfehlungstabelle finden Sie mehr als 15 markenspezifische Optionen.

Wie oft sollten Stehlagergehäuselager nachgeschmiert werden?

In sauberen, trockenen Umgebungen mit Betriebstemperaturen zwischen 0°C und 49°C genügt in der Regel eine Nachschmierung alle 6–12 Monate. In schmutzigen oder feuchten Umgebungen verkürzt sich dieses Intervall auf 1–4 Wochen. In staubigen landwirtschaftlichen Anwendungen gilt eine Nachschmierung alle 200 Betriebsstunden als üblich. Beachten Sie stets die spezifischen Intervallempfehlungen des Lagerherstellers für Ihre Anwendung.

Was passiert bei einer Überfettung eines Stehlagergehäuselagers?

Überfettung ist eine der häufigsten Ursachen für den Ausfall von Stehlagergehäuselagern. Überschüssiges Fett führt zu Walkarbeit, wodurch Wärme entsteht, die das Schmiermittel abbaut und den Verschleiß beschleunigt. Zudem kann sich ein Druckaufbau ergeben, der Dichtungen herausdrückt und das Eindringen von Verunreinigungen ermöglicht. Für die Nachschmierung verwenden Sie die Formel: 0.005 × D × B Gramm, wobei D der Außendurchmesser und B die Lagerbreite in Millimetern ist.

Kann ich jedes beliebige Fett für Stehlagergehäuselager verwenden?

Nein. Das falsche Fett kann die Lagerlebensdauer erheblich verkürzen. Unterschiedliche Anwendungen erfordern unterschiedliche Grundölviskositäten, NLGI-Klassen und Additivpakete. Das Mischen inkompatibler Fette (z. B. Lithium- mit Calcium-Natrium-Fett) kann zum Zusammenbruch der Verdickerstruktur führen und damit einen Schmierverlust verursachen. Prüfen Sie vor einem Fettwechsel stets die Verträglichkeit und spülen Sie bei einem Produktwechsel das Altfett gründlich aus.

Fazit

Eine wirksame Schmierung ist entscheidend, um Leistung und Lebensdauer von Stehlagergehäuselagern zu maximieren. Für die meisten allgemeinen Anwendungen ist ein Fett der NLGI-Klasse 2 mit EP-Additiven der beste Ausgangspunkt — es bietet unter einem breiten Spektrum von Einsatzbedingungen einen wirksamen Schutz vor Verschleiß.

Berücksichtigen Sie stets die spezifischen Betriebsbedingungen wie extreme Temperaturen, hohe Drehzahlen oder Anforderungen für den Lebensmittelbereich, um die optimale Auswahl zu treffen. Eine sachgerechte Schmierung reduziert Stillstandszeiten deutlich und verlängert die Lebensdauer der Maschinen. Einen vollständigen Überblick über Lagerbauarten, Werkstoffe und Dichtungsoptionen finden Sie in unserem Umfassender Leitfaden zu Stehlagern.

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