Die richtige Schmierung von Wälzlagern hängt im Wesentlichen von einem Punkt ab: der korrekten Fettmenge – weder zu viel noch zu wenig. Ist die Fettmenge zu gering, läuft das Lager trocken; ist sie zu hoch, entstehen Wärmeentwicklung und unnötige Kosten durch Instandsetzungen.

Kurzübersicht – wie viel Fett?
25–35% Rillenkugellager
~20% Schrägkugellager
40–50% Raue / Außenumgebungen

Für einen exakten Wert verwenden Sie die SKF-Formel: Gq = 0.114 × D × B (D = Außendurchmesser in Zoll, B = Lagerbreite in Zoll, Gq = Menge in Unzen). Vollständige Angaben finden Sie unten.

Ingenieure entwickeln regelmäßig kundenspezifische Lager für eine extrem lange Lebensdauer. Nachfolgend geben wir diese Erfahrung weiter, damit Sie Ihre Anlagen zuverlässig und über einen längeren Zeitraum im effizienten Betrieb halten können.

Die Bedeutung von Fett für die Lagerleistung

Fett übernimmt eine zentrale Schutzfunktion für Lager: Es wirkt als Barriere gegen Verunreinigungen und reduziert zugleich Reibung und Verschleiß. Es schirmt Schmutz und Feuchtigkeit ab, die die Lagerlaufbahnen schädigen können, und unterstützt die Ableitung der im Betrieb entstehenden Wärme.

Was Fett im Lager tatsächlich bewirkt
Reduziert Reibung
Verhindert Metall-auf-Metall-Kontakt an den Laufbahnen
Hält Verunreinigungen fern
Hält Schmutz und Feuchtigkeit von den Oberflächen fern
Leitet Wärme ab
Führt Wärme von den Lagerlaufbahnen ab
Verhindert Korrosion
Schutzfilm auf allen Lageroberflächen

Faktoren, die die Fettmenge in Lagern beeinflussen

  • Lagergröße und Lagertyp: Größere Lager und Lager unter höheren Belastungen benötigen mehr Fett. Kugellager erfordern eine selteneren Nachschmierung als andere Wälzlager. Weitere Informationen finden Sie in unserem Schmierungsleitfaden für Kugellager für weitere Details.

  • Betriebsgeschwindigkeit: Lager, die mit hoher Drehzahl laufen, benötigen weniger Fett, um übermäßigen Widerstand und Wärmestau zu vermeiden.

  • Temperatur: Höhere Temperaturen bauen Grundöle schneller ab. Bei dauerhaft hohen Betriebstemperaturen sollte daher häufiger nachgeschmiert werden.

  • Betriebsdauer: Der Dauerbetrieb oder häufige Start-Stopp-Zyklen führen zu einem schnelleren Fettabbau. Mit zunehmender Einsatzdauer steigt daher der Schmierbedarf.

  • Vibration: Höhere Vibrationen gehen mit stärkeren Stoßbelastungen einher. Frisches Fett wird deshalb häufiger benötigt, um einen schützenden Schmierfilm aufrechtzuerhalten.

  • Viskositätsfaktor: Additive und Konsistenz beeinflussen die Lebensdauer gleichermaßen. Lithiumseifenfett ist aufgrund seiner Vielseitigkeit die am häufigsten eingesetzte Lösung.

  • Einbaulage: Senkrecht angeordnete Lager halten Fett nicht so gut wie horizontal eingebaute Lager – sie müssen daher häufiger nachgeschmiert werden.

  • Belastung: Höhere Lasten bedeuten eine stärkere Beanspruchung und einen erhöhten Bedarf an geeigneter Schmierung.

  • Umgebung: Lager in staubigen oder im Außenbereich eingesetzten Anwendungen benötigen ausreichend Fett, um Verunreinigungen fernzuhalten, ohne zu überfüllen.

Standard-Richtwerte für die Fettschmierung unterschiedlicher Lagerbauarten

Die benötigte Fettmenge kann zwischen verschiedenen Lagerbauarten. Nachfolgend ein praxisnaher Überblick über die empfohlenen Füllgrade für die zwei gängigsten Lagerarten.

Fettfüllgrad nach Lagerbauart
25–35% Füllgrad
Rillenkugellager
Standard / allgemeine Anwendung
~20% Füllgrad
Schrägkugellager
Hochgeschwindigkeitsspindeln
40–50% Füllgrad
Raue Umgebungen
Außenbereich / staubig / feucht

Rillenkugellager

  • Empfohlene Fettmenge: Für Rillenkugellager, liegt der optimale Füllgrad bei 25–35 % des Innenraums des Lagers.

  • Warum dieser Bereich: Er sorgt für ausreichende Schmierung und reduziert Reibung und Verschleiß, ohne den durch zu viel Fett verursachten Widerstand und die damit verbundene Wärmeentwicklung zu erhöhen.

Aufbau des Rillenkugellagers

Schrägkugellager

  • Empfohlene Fettmenge: Hochgeschwindigkeits- Schrägkugellager benötigen in der Regel rund 20 %.

  • Warum weniger Fett: Weniger Fett verringert den Widerstand und die Wärmeentwicklung bei hohen Drehzahlen und verhindert so den vorzeitigen Schmierstoffabbau bei schnellen Drehbewegungen – bei weiterhin ausreichendem Schutz.

Aufbau des Schrägkugellagers

Für beide Lagerbauarten gilt: Verwenden Sie stets das passende Fett – mit den richtigen Additiven und dem geeigneten Grundöl. Das richtige Fett in der richtigen Menge verlängert die Lebensdauer der Lager und sorgt für einen effizienten Maschinenbetrieb.

Industriestandard für die Fettschmierung

SKF-Formel

Das am weitesten verbreitete Verfahren zur Berechnung der exakten Fettmenge:

Hauptformel (nach Lagerabmessungen)

Gq = 0.114 × D × B

Gq

= Fettmenge (Unzen)

D

= Außendurchmesser des Lagers (Zoll)

B

= Lagerbreite – bei Axiallagern die Bauhöhe (Zoll)

Eine vereinfachte Variante für Berechnungen auf Basis des Wellendurchmessers:

Vereinfachte Formel (nach Wellendurchmesser)

G = D × B / 10

D

= Wellendurchmesser (Zoll)

B

= Lagerbreite (Zoll)

G

= Fettmenge (Unzen)

Beispiel:Ein abgedichtetes Lager auf einer Welle mit 3 Zoll Durchmesser und 1 Zoll Breite → G = 3 × 1 / 10 =0,3 UnzenFett.

1 Hub pro Zoll Wellendurchmesser

Eine schnelle Praxisregel lautet: Verwenden Sie pro Zoll Wellendurchmesser einen Hub der Fettpresse. Da die Fördermenge je nach Fettpresse variiert, haben sich in der Praxis 2–3 Gramm pro Zoll als konsistenter erwiesen. Um die Fördermenge Ihrer Fettpresse zu überprüfen, wiegen Sie 10 Hübe auf einer Waage und teilen Sie den Wert anschließend durch 10.

Schmierung über das Geräuschverhalten beurteilen

Sie können den korrekten Füllgrad auch über Gehör und Tastgefühl beurteilen. Das Geräusch nimmt nach der ersten Fettzugabe ab und stabilisiert sich; sobald das Lager voll ist, steigt es wieder an. Ein zunehmender Widerstand am Hebel der Fettpresse ist ein weiteres zuverlässiges Anzeichen. Wenn beide Merkmale auftreten, beenden Sie die Nachschmierung.

Wie viel Fett in Lager eingebracht werden sollte: Sonderfälle

Hochgeschwindigkeitsanwendungen

Bei schnelllaufenden Maschinen besteht das Ziel darin, mit möglichst wenig Fett eine ausreichende Schmierung sicherzustellen. Ein zu hoher Fettfüllgrad erzeugt Reibung und Wärme, was die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt oder zu einem Ausfall führen kann.

  • Reduzierte Fettmenge: Die Füllmenge begrenzen, um unnötige Reibung und Überhitzung zu vermeiden.

  • Management des Altfetts: Altfett regelmäßig entfernen, um Ablagerungen zu vermeiden, die die Wirkung von Frischfett beeinträchtigen.

  • Ölfreie Lager: In Anwendungen mit extrem niedrigen Anlaufmomenten arbeiten ölfreie Lager ohne herkömmliches Fett und bieten einen äußerst geringen Anlaufwiderstand.

Raue Umgebungsbedingungen

Außenanlagen, staubbelastete Produktionsstätten und Umgebungen mit hoher Luftfeuchtigkeit erfordern in der Regel mehr Fett als Standardbedingungen.

  • Erhöhte Menge (40–50 %): Das zusätzliche Fett bildet eine wirksamere Barriere gegen Verunreinigungen und Umwelteinflüsse.

  • Geringeres Kontaminationsrisiko: Mehr Fett lässt weniger Raum für das Eindringen von Staub, Schmutz und Wasser.

  • Korrosionsschutz: Die höhere Fettmenge schützt vor korrosiven Einflüssen und Temperaturschwankungen und verlängert die Lebensdauer der Anlagen deutlich.

Anwendungsart

Empfohlene Füllmenge

Hauptgrund

Rillenkugellager (Standard)

25–35 %

Sorgt für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Schmierung und Wärmekontrolle

Schrägkugel- / Hochgeschwindigkeits-Spindel

ca. 20 %

Minimiert Reibmoment und Erwärmung bei hoher Drehzahl

Raue / Außenanwendung / verschmutzte Umgebung

40–50 %

Zusätzliche Barriere gegen Verunreinigungen

Unzureichend geschmiert (jeglicher Bauart)

Zu gering

Ursache für über 80 % aller Lagerausfälle

Der Einfluss der Fettmenge auf die Lagerleistung

Der optimale Fettbereich – was links und rechts davon passiert
Zu wenig Fett
▸ Metallischer Kontakt auf den Laufbahnen
▸ Beschleunigter Oberflächenverschleiß
▸ Überhitzung und möglicher Fresser
▸ Vollständiger Lagerausfall
Verantwortlich für über 80 % der Lagerausfälle
Zu viel Fett
▸ Erhöhtes Reibmoment und innere Erwärmung
▸ Höherer Energieverbrauch
▸ Dichtungsschäden und Fettaustritt
▸ Verkürzte Lagerlebensdauer
Ausnahme: In rauen Umgebungen kann eine zusätzliche Menge erforderlich sein

Auswirkungen von Überfettung

Mehr Fett ist nicht immer besser. Eine Überfettung erhöht den Widerstand im Lager, wodurch die Maschine stärker belastet wird und heißer läuft. Auf Dauer verkürzt diese zusätzliche Wärme die Lagerlebensdauer und erhöht die Energiekosten.

Hinweis:In extrem rauen Umgebungen kann eine leicht erhöhte Fettmenge dazu beitragen, vor Verunreinigungen zu schützen – dies ist jedoch die Ausnahme und nicht die Regel.

Auswirkungen von Unterfettung

Unzureichende Schmierung ist für über 80 % der Lagerausfälle verantwortlich. Wenn das Fett keinen ausreichenden Schutz mehr bietet, schreitet die Schädigung rasch voran.

  • Erhöhte Reibung und Verschleiß: Ohne ausreichende Fettversorgung beschleunigt der Metall-auf-Metall-Kontakt den Verschleiß an den Lagerlaufbahnen.

  • Gefahr des Fressens: Stark untergeschmierte Lager können überhitzen und vollständig fressen. Das führt zu erhöhtem Geräuschpegel, sinkender Effizienz oder einem vollständigen Anlagenausfall.

Häufig gestellte Fragen

Wie oft sollten Lager nachgeschmiert werden?

Das hängt von den Betriebsbedingungen ab. Lager, die bei hohen Temperaturen, unter hohen Lasten oder in verunreinigter Umgebung laufen, müssen häufiger nachgeschmiert werden. Als grober Richtwert werden viele Industrie-Lager alle 1.000–2.000 Betriebsstunden nachgeschmiert – maßgeblich sind jedoch stets die Empfehlungen des Herstellers für die jeweilige Anwendung.

Was passiert, wenn ein Lager zu stark gefettet wird?

Eine Überfettung führt dazu, dass das Lager das überschüssige Schmierfett aufwühlt, wodurch Wärme entsteht und der Leistungsbedarf steigt. In schweren Fällen können Dichtungen beschädigt, Fett austreten und der Lagerverschleiß beschleunigt werden – also genau das Gegenteil dessen, was Sie erreichen möchten.

Welches Schmierfett eignet sich am besten für Lager?

Lithiumverseiftes Schmierfett ist aufgrund seiner Vielseitigkeit über unterschiedliche Temperaturbereiche und Lastbedingungen hinweg die am weitesten verbreitete Lösung. Für Hochtemperaturanwendungen kann ein Polyharnstoff- oder Calciumsulfonat-Fett geeigneter sein. Stimmen Sie die Fettart stets auf Ihre Betriebsbedingungen ab und prüfen Sie vor einem Wechsel die Verträglichkeit mit dem zuvor verwendeten Schmierfett.

Fazit

Die richtige Schmierung von Wälzlagern muss nicht kompliziert sein. Orientieren Sie sich zunächst an den Standardempfehlungen – 25–35 % bei Rillenkugellagern, rund 20 % bei Schrägkugellagern – und nutzen Sie bei Bedarf die SKF-Formel, wenn ein exakter Wert erforderlich ist. Berücksichtigen Sie außerdem Drehzahl, Umgebung und Belastung; dann sind Sie auf der sicheren Seite.

Weitere Hinweise zur Lagerwartung finden Sie in unseren anderen Ressourcen oder erfahren Sie mehr über Lagerverschleiß und wie er sich vermeiden lässt.