Drehverbindungen sind dafür ausgelegt, drei Lastarten gleichzeitig aufzunehmen: Axiallasten, Radiallasten und Momentenlasten.

In den meisten Praxisanwendungen — Kranen,Bagger,Windkraftanlagen, Roboterarmen — steht bei der Auslegung nur selten die Axialtragfähigkeit im Vordergrund. Entscheidend ist vielmehr das Kippmoment.

Wird dies falsch ausgelegt, treten in den Laufbahnen ungleichmäßige Kontaktspannungen auf, die Wälzkörper ermüden vorzeitig, und die umliegende Struktur beginnt sich zu verformen. Bei richtiger Auslegung kann ein Lager mit einer Nennlebensdauer von 20 Jahren diese auch tatsächlich erreichen.

Dieser Beitrag erläutert präzise, was das Kippmoment ist, wie es berechnet wird, welche Faktoren es in der Praxis verstärken und wie Ingenieure Lager dafür auswählen und schützen.

Was ist eine Drehverbindung?

Drehverbindungen(auch als Drehkränze oder Drehtellerlager bezeichnet) sind großdimensionierte Wälzlager für langsame Drehbewegungen unter kombinierter Belastung.

Im Unterschied zu Standardlagern, die überwiegend nur eine Lastart aufnehmen, müssen Drehkränze Axiallasten (Kräfte parallel zur Drehachse), Radiallasten (Kräfte senkrecht zur Drehachse) und Momentenlasten gleichzeitig aufnehmen — also das Kippmoment, das sich aus einer exzentrisch angreifenden Kraft und ihrem Hebelarm ergibt.

Die Durchmesser reichen typischerweise von 200 mm bei leichten Industrierobotern bis zu über 4.000 mm bei Offshore-Kranpedestalen.

Die Nenn-Momenttragfähigkeit kann in dieser Größenordnung 50.000 kN·m überschreiten.

Was ist das Kippmoment?

Ein Kippmoment, auch als Überkippmoment bezeichnet, entsteht immer dann, wenn die Resultierende der Last nicht durch den geometrischen Mittelpunkt des Lagers verläuft.

Diese Exzentrizität erzeugt einen Hebelarm, der den Innenring gegenüber dem Außenring verkippen will.

Praktisch bedeutet das: Ein Kran hebt 10 t bei 5 m Ausladung.

Selbst ohne Radialkraft greift das Lastgewicht 5 m von der Lager-Mittellinie entfernt an und erzeugt ein Kippmoment von 490 kN·m.

Dieses Moment ist keine Axiallast — es erzeugt im Lager ein Kräftepaar: Druck auf einer Seite der Laufbahn und Zugentlastung (oder Zug, bei einigen Ausführungen) auf der gegenüberliegenden Seite.

Dies unterscheidet sich grundlegend von einer rein axialen Belastung, bei der alle Wälzkörper die Last annähernd gleichmäßig tragen.

Unter einem Kippmoment verteilt sich die Last über die Wälzkörper stark ungleichmäßig, und der am stärksten belastete Wälzkörper kanndas 3–5-Fache der durchschnittlichen Last tragen– abhängig von Lagergeometrie und Steifigkeit.

Kippmoment eines Drehverbindungslagers

Kippmoment im Vergleich zu axialen und radialen Lasten

Lastart

Richtung

Auswirkung auf die Laufbahn

Axial

Entlang der Drehachse

Relativ gleichmäßige Lastverteilung

Radial

Senkrecht zur Drehachse

Belastet die Hälfte der Laufbahn und entlastet die andere Hälfte

Kippmoment

Rotationsbewegung – kippt Innenring gegenüber Außenring

Starke Spannungskonzentration; Spitzenlast am Wälzkörper3–5-fachDurchschnitt

Was verursacht Kippmomente?

Kippmomente in Großwälzlagern entstehen nur selten durch einen einzelnen Faktor. In der Praxis wirken mehrere Einflüsse gleichzeitig – und genau deren Gesamtwirkung muss die Auslegung berücksichtigen.

5 Hauptursachen für Kippmomente

① Exzentrische Belastung

Jede Last, die in horizontalem Abstand zum Lagerzentrum angreift, erzeugt ein Kippmoment. Je länger der Ausleger, desto größer der Hebelarm – unabhängig vom Gewicht der Last. Dies ist die dominierende Ursache bei Kranen und Baggern.

② Strukturelle Nachgiebigkeit

Ein Ausleger oder Turm, der sich unter Last durchbiegt, verschiebt den wirksamen Kraftangriffspunkt. Bei großen Gittermastkranen erhöht die dynamische Durchbiegung das berechnete statische Moment um5–15%.

③ Dynamische und trägheitsbedingte Einflüsse

Beim Schwenken mit 1 rpm und einer Last von 10 t im Radius von 20 m entsteht zusätzlich eine zentripetale Radialkraft von rund 4,4 kN. Für sich genommen gering, verschiebt sie jedoch in Kombination mit dem Kippmoment an der Basis die innere Lastzone.

④ Wind- und Umwelteinflüsse

Bei einer 3-MW-Windturbine liegt der Rotorschub bei Nennwindgeschwindigkeit typischerweise bei350–450 kN. Wirkt diese Kraft in Nabenhöhe (ca. 80–100 m über dem Azimutlager), entstehen am Azimutring28.000–45.000 kN·m– häufig der maßgebende Lastfall.

⑤ Montagefehlausrichtung

Ebenheitsfehler von nur0,1 mm/mkönnen zusätzliche momentbedingte Nebenlasten verursachen, die in der ursprünglichen Auslegung nicht berücksichtigt sind.ISO 76empfiehlt, neben der Lagerauswahl auch die Steifigkeit der Tragstruktur und die Ebenheitstoleranzen festzulegen.

Lastwirkungen eines Großwälzlagers

So berechnen Sie das Kippmoment

Grundformel

Das Kippmoment wird wie folgt berechnet:

Mt= F × d

Mt= Kippmoment (N·m oder kN·m)  | F= Kraft senkrecht zur Drehachse (N oder kN)  | d= Abstand vom Lagerzentrum zum Kraftangriffspunkt (m)

Wirken mehrere Lasten gleichzeitig, werden die einzelnen Kippmomente vektoriell addiert.

Die meisten Lagerkataloge verwenden ein Modell der äquivalenten dynamischen Belastung, das Fa, Fr und Mt zu einer einzigen äquivalenten Lagerbelastung für die Lebensdauerberechnung nach ISO 281 zusammenfasst.

Berechnungsbeispiel: Großwälzlager eines Raupenkrans

Gegebene Parameter

Nenntragfähigkeit:50,000 kg (490.5 kN)

Maximale Ausladung:18 mab Lager-Mittellinie

Auslegergewicht (bei 9 m vom Zentrum):120 kN

Windlast auf Last + Ausleger (bei 12 m Höhe):15 kN

Schritt 1 — Kippmoment der Last

M1= 490.5 kN × 18 m =8,829 kN·m

Schritt 2 — Kippmoment des Auslegergewichts

M2= 120 kN × 9 m =1,080 kN·m

Schritt 3 — Kippmoment der Windlast

M3= 15 kN × 12 m =180 kN·m

Schritt 4 — Gesamtwert (ungünstigster Fall, alle Anteile additiv)

Mt,total= 8,829 + 1,080 + 180 =10,089 kN·m

Schritt 5 — Sicherheitsfaktor ansetzen (1.25 nach FEM 1.001)

Mdesign= 10,089 × 1.25 =12,611 kN·m

Zentrale Berechnungsherausforderungen

Dynamische Lastfaktoren:Gleichzeitiges Heben, Schwenken und Verfahren kann die wirksame Belastung um 10–30% gegenüber den statischen Werten erhöhen. Die Normen von FEM und ASME liefern hierfür Lastkombinationsfaktoren.

Strukturelle Nachgiebigkeit:Für momentenkritische Anwendungen wird eine Finite-Elemente-Analyse der Tragstruktur empfohlen, da die Ringverformung den Kontaktwinkel und die Lastverteilung im Lager verändert.

Lastkollektiv:Lager werden nur selten mit ihrer maximalen Belastung betrieben. Für die Lebensdauerberechnung nach ISO 281 ist daher ein gewichtetes Lastkollektiv statt allein der Spitzenlast erforderlich; dadurch kann sich die berechnete L10-Lebensdauer um das 2–4-Fache erhöhen.

Wie Kippmomente die Lebensdauer und Leistung von Lagern beeinflussen

Auswirkung auf die Lagerlebensdauer (L10)

Wälzlager folgen einem Last-Lebensdauer-Zusammenhang mit der dritten Potenz bei Kugellagern bzw. der 10/3-Potenz bei Rollenlagern – der Grundlage des Lagerlebensdauermodells nach ISO 281.

Bereits eine moderate Erhöhung der maximalen Wälzkörperlast wirkt sich überproportional auf die Ermüdungslebensdauer aus.

Ein konkretes Beispiel: Führt eine ungleichmäßige Lastverteilung unter Kippmoment dazu, dass die maximale Wälzkörperlast das 1,5-Fache des Mittelwerts beträgt, sinkt die lokale Ermüdungslebensdauer dieses Wälzkörpers auf etwa (1/1.5)³ ≈30 % des Werts bei gleichmäßiger Lastverteilung.

Deshalb ist in den meisten Drehlageranwendungen nicht die Axialtragfähigkeit, sondern die Kippmomenttragfähigkeit die maßgebliche Auslegungsgröße.

Auswirkung auf die Betriebseffizienz

Kippmomente erhöhen die Wälzkontaktpressung asymmetrisch und steigern das Reibmoment, das zum Drehen des Lagers erforderlich ist.

Bei großen Schwenkantrieben von Kranen kann ein nicht beherrschtes Kippmoment die Stromaufnahme des Antriebsmotors um15–25 %gegenüber dem Auslegungspunkt erhöhen – mit messbaren Auswirkungen auf die Energiekosten über die gesamte Lebensdauer der Anlage.

Sicherheitsrisiken

Ein Dauerbetrieb oberhalb des zulässigen Kippmoments führt zu Laufbahnausbrüchen, Bruch der Wälzkörper und in schweren Fällen zu einem Strukturversagen des Rings.

Bei Mobilkranen zählt ein zu hohes Kippmoment zu den Hauptursachen für ein katastrophales Umkippen.

Sowohl ISO 76 als auch EN 13001-3-6 verlangen, dass Momentenlasten bei der Lagerauswahl ausdrücklich berücksichtigt werden – allein auf die Axialtragfähigkeit zu vertrauen, ist nicht konservativ.

Lagerauswahl für hohe Kippmomente

Nicht alle Drehlagerbauarten sind gleichermaßen für Kippmomente geeignet.

Die Wahl der Innengeometrie hat einen erheblichen Einfluss auf Kippsteifigkeit und Tragfähigkeit.

Aus unserer Erfahrung besteht der häufigste Fehler darin, die Axialtragfähigkeit als einziges Auswahlkriterium heranzuziehen – was in momentdominanten Anwendungen regelmäßig zu vorzeitigem Ausfall führt.

Kreuzrollen-Drehverbindungen

Momenttragfähigkeit:Hoch  | Steifigkeit:Sehr hoch

Abwechselnd um 90° angeordnete Rollen erzeugen Linienkontakt über der Laufbahn und verteilen die Last auf eine größere Fläche als bei Punktkontakt von Kugeln. Bevorzugt für Präzisions-Industrieroboter, Radarantennen und Rundtische in Werkzeugmaschinen. Typische Momentsteifigkeit:10³ bis 10⁵ N·m/mradabhängig von der Baugröße.

cross roller slewing bearing

Vierpunkt-Kugeldrehverbindungen

Momenttragfähigkeit:Mittel bis hoch  | Steifigkeit:Mittel

Die Gothic-Arch-Laufbahngeometrie erzeugt pro Kugel vier Kontaktpunkte und bietet damit bei kompakter Bauweise eine gute Momenttragfähigkeit. Weit verbreitet in Pitch-Antrieben von Windkraftanlagen sowie in leichten bis mittelschweren Krananwendungen, bei denen das Gewicht eine wesentliche Rolle spielt.

Four-Point Contact Ball slewing bearing

Zweireihige Kugellager

Momenttragfähigkeit:Mittel  | Steifigkeit:Mittel

Der Abstand zwischen den beiden Reihen erzeugt einen internen Momentenarm und damit eine höhere Momentsteifigkeit als bei einer einreihigen Ausführung mit gleichem Außendurchmesser. Häufig eingesetzt in Baggern und mittelschweren Kränen.

Double-Row Ball slewing bearing

Dreireihige Rollenlager

Momenttragfähigkeit:Sehr hoch  | Steifigkeit:Sehr hoch

Getrennte Reihen für Axiallasten (oben und unten) sowie Radiallasten (mittig) bieten die höchste Tragfähigkeit bezogen auf den Durchmesser. Eingesetzt in den größten Kranen und in Offshore-Anlagen, wo die Momentlasten100,000 kN·müberschreiten.

Three-Row Roller Slewing Bearing-1

Lagertyp

Momenttragfähigkeit

Steifigkeit

Typische Anwendung

Kreuzrollen

Hoch

Sehr hoch

Roboter, Radar, Werkzeugmaschinen

Vierpunkt-Kugel

Mittel bis hoch

Mittel

Pitch-Verstellungen von Windkraftanlagen, leichte Krane

Zweireihige Kugel

Mittel

Mittel

Bagger, mittelschwere Krane

Dreireihige Rollen

Sehr hoch

Sehr hoch

Großkrane, Offshore-Anlagen

Wie sich Kippmomente im Betrieb reduzieren lassen

Konstruktive Auslegung

Hebelarme minimieren:Die wirksamste Maßnahme zur Reduzierung besteht darin, den Lastangriffspunkt so nah wie möglich an der Lager-Mittellinie anzuordnen. Wird der Hebelarm halbiert, halbiert sich auch Mt.

Ringdurchmesser vergrößern:Ein Lager mit größerem Durchmesser verteilt das Momentenpaar auf eine breitere Auflage und verringert dadurch die Spitzenbelastung der Wälzkörper bei gleichem äußeren Moment. Aus diesem Grund werden bei Großkranen Ringe mit einem Durchmesser von >2 m eingesetzt, selbst wenn ein kleinerer Ring die statischen Nachweise rechnerisch noch bestehen würde.

Steifigkeit der Tragstruktur:Montageflansche und Tragstruktur sollten die vom Lagerhersteller vorgegebenen Ebenheitstoleranzen erfüllen – typischerweise0,05–0,15 mm/m– um parasitäre Momente infolge der Verformung der Struktur zu vermeiden.

Lastmanagement

Aktive Lastüberwachung:Lastmomentanzeiger (LMI) erfassen das tatsächliche Kippmoment in Echtzeit und warnen das Bedienpersonal, bevor Grenzwerte überschritten werden. In Europa (EN 13000) und den USA (ASME B30.5) ist dies für die meisten mobilen Krane mit einer Tragfähigkeit von über 1 t gesetzlich vorgeschrieben.

Aktive Blattverstellung (Windturbinen):Die individuelle Anpassung des Blattwinkels an Windscherung und Turbulenzen reduziert asymmetrische Rotor-Schubkräfte. Veröffentlichte Untersuchungen an Direktantriebsturbinen zeigen, dass die individuelle Blattverstellung das maximale Moment am Pitchlager um20–30 %.

Wartung und Überwachung

Schmierung:Eine konsequente Nachschmierung verhindert Metall-Metall-Kontakt in der Laufbahn. Bei langsam oszillierenden Lagern wie Pitchlagern von Windturbinen ist False Brinelling ein bekannter Ausfallmodus; frettingbeständige Schmierfette verlängern die Laufbahndauer messbar. Lesen Sie unseren Leitfaden zubewährten Schmierpraktiken für Lager.

Prüfung der Montagefläche:Ebenheit des Montageflansches prüfenbei jedem größeren Wartungsintervall. Eine dauerhafte Verformung der Tragstruktur – insbesondere bei mobilen Maschinen im Einsatz auf unebenem Untergrund – kann Momente einbringen, für die das Lager nicht ausgelegt ist.

Schwingungs- und Geräuschüberwachung:Am Lagergehäuse montierte Beschleunigungssensoren können beginnenden Laufbahnschaden frühzeitig erkennen, typischerweise2–6 Monatebevor derselbe Defekt bei einer Sichtprüfung festgestellt würde.

Industrieanwendungen

Baumaschinen: Krane und Bagger

Bei einem 100-t-Fachwerkausleger-Raupenkran, kann das Drehverbindungslager einem Kippmoment von mehr als15.000 kN·mbei maximaler Ausladung ausgesetzt sein.

Das Lager selbst wiegt 1.500–3.000 kg und erfordert bei der Montage eine präzise Ausrichtung von Ober- und Unterwagen innerhalb der Herstellertoleranzen.

Ein häufiger Ausfallgrund im Feldeinsatz ist der Betrieb auf unebenem Untergrund, wodurch zusätzliche Kippmomente entstehen, die in der ursprünglichen Tragfähigkeitsauslegung des Krans nicht berücksichtigt sind.

Die meisten OEM-Dokumentationen geben maximale zulässige Neigungen auf unebenem Untergrund vor – typischerweise1–3 %– aus diesem Grund.

Drehverbindungen in Baumaschinen

Windturbinen: Pitch- und Azimutlager

Eine moderne 5-MW-Anlage verfügt über drei Pitchlager (jeweils mit einem Durchmesser von ca. 2 m) und ein Azimutlager (ca. 3–4 m Durchmesser).

Die Pitchlager sind beim Drehen der Rotorblätter wechselnden, durch die Schwerkraft verursachten Kippmomenten ausgesetzt – ein 60 m langes Rotorblatt mit einem Gewicht von ca. 15 t erzeugt ein gravitatives Kippmoment von ungefähr4.400 kN·man den Positionen 3 Uhr und 9 Uhr.

Diese schwingende Belastung mit geringer Amplitude – und nicht eine einzelne hohe Überlast – ist maßgeblich für die Ermüdungsschädigung.

Aus diesem Grund werden Lager für Windturbinen auf Basis von Rainflow-ausgewerteten Lastspektren ausgelegt und nicht anhand einer einzelnen Spitzenlast.

Schwenklager in Windturbinen

Industrieroboter

Sechsachsige Industrieroboter verwenden Schwenklager am Sockel (Achse 1) und in bestimmten Handgelenkkonfigurationen.

Ein Roboter mit einer Traglast von 10 kg und einer Reichweite von 1,5 m erzeugt ungefähr147 N·man Kipplmoment am Sockel – nach Kranmaßstäben gering, im Verhältnis zu den eingesetzten Lagern mit 150–400 mm Durchmesser jedoch durchaus erheblich.

Kreuzrollenlager sind hier aufgrund ihres hohen Steifigkeit-zu-Baugröße-Verhältnisses die Standardwahl.

Typisches Kipplmoment nach Anwendung

Industrieroboter (Sockellager)

~150 N·m

Pitchlager einer Windturbine (5 MW)

~4.400 kN·m

Raupenkran (100 t, maximale Ausladung)

>15.000 kN·m

Azimutlager einer Windturbine (3 MW)

28.000–45.000 kN·m

Die Balkenlängen dienen nur zur Veranschaulichung und sind nicht maßstäblich. Die Werte sind typische Auslegungslast-Schätzwerte.

Häufig gestellte Fragen

Worin besteht der Unterschied zwischen Kipplmoment und Momentenbelastung in einem Lager?

Beide Begriffe bezeichnen dieselbe physikalische Größe. „Momentenbelastung“ ist der allgemeine technische Oberbegriff; „Kipplmoment“ beziehungsweise „Kippmoment“ beschreibt die Wirkungsweise dieses Moments am Lager – es versucht, den Innenring gegenüber dem Außenring zu kippen.

In Lagerkatalogen werden beide Begriffe häufig synonym verwendet. Prüfen Sie daher vor dem Vergleich von Werten aus unterschiedlichen Quellen stets die Achsdefinition in der Herstellerdokumentation.

Kann ein Schwenklager ein höheres Kipplmoment aufnehmen als den Nennwert?

Kurz gesagt: ja – Lager verfügen über eine statische Sicherheitsreserve über der dynamischen Nennbelastung. Wird das zulässige Kipplmoment im Normalbetrieb jedoch überschritten, beschleunigt sich die Laufbahnermüdung nichtlinear und die Lebensdauer verkürzt sich erheblich.

Ein Betrieb über der statischen Tragfähigkeit birgt das Risiko dauerhafter Laufbahnverformungen. Üblich ist ein Sicherheitsfaktor von 1,1–1,5 für statische Belastung und 1,0–1,25 für dynamische Belastung, abhängig von der jeweils geltenden Norm (FEM, ASME, ISO).

Wie wirkt sich das Kipplmoment im Zusammenspiel mit axialen und radialen Lasten bei einer kombinierten Lastprüfung aus?

Die meisten Wälzlagerhersteller stellen ein Wechselwirkungsdiagramm oder eine Gleichung für die kombinierte Belastung bereit. Eine gängige vereinfachte Prüfformel lautet: (Fa/Ca) + (Fr/Cr) + (Mt/Cm) ≤ 1, wobei die C-Werte die jeweiligen Tragfähigkeiten kennzeichnen.

Ein Ergebnis über 1,0 bedeutet, dass das Lager für die kombinierte Belastung unterdimensioniert ist – ein häufiger Befund, wenn bei der ersten Auslegung nur die Axialtragzahl geprüft wurde.

Wie häufig sollte die Ausrichtung eines Drehverbindungslagers an laufenden Anlagen überprüft werden?

Bei mobilen Maschinen (Kräne, Bagger) sollte die Prüfung bei jedem größeren Wartungsintervall oder unmittelbar nach einem bekannten Überlastereignis erfolgen.

Bei stationären Anlagen ist dem Wartungsplan des OEM zu folgen – in der Regel jährlich bei Gierlagern und alle 6 Monate bei Pitch-Lagern, da diese einer höheren Lastwechselhäufigkeit ausgesetzt sind.

Welche frühen Warnsignale deuten auf Schäden durch Kippmoment in einem Drehverbindungslager hin?

Ein erhöhtes Antriebsmoment (messbar über den Motorstrom), ungewöhnliche Geräusche während der Drehbewegung, metallische Partikel im entnommenen Schmierfett sowie sichtbare Verfärbungen der Laufbahn in einem begrenzten Winkelbereich – statt gleichmäßig über den gesamten Umfang – weisen allesamt auf eine asymmetrische Belastung infolge eines zu hohen Kippmoments hin.

Eine Schwingungsanalyse kann Ermüdungsschäden unter der Laufbahn 2–6 Monate erkennen, bevor sie bei einer Sichtprüfung sichtbar werden.

Fazit

Das Kippmoment ist in nahezu jeder Anwendung von Drehverbindungslagern die maßgebende Auslegungsbelastung.

Es bestimmt die Lagerauswahl, die Auslegung der Tragkonstruktion, die Anforderungen an die Lastüberwachung und die Wartungsintervalle – und ist zugleich der Parameter, der am ehesten unterschätzt wird, wenn Konstrukteure sich ausschließlich auf die Axialtragzahl konzentrieren.

Nach unserer Erfahrung haben Projekte mit vorzeitigem Lagerausfall nahezu immer dieselbe Ursache: Das Kippmoment wurde nie korrekt berechnet, oder ein Sicherheitsfaktor wurde zur Senkung der Anfangskosten weggelassen.

Eine korrekte Berechnung – unter Berücksichtigung von Hebelarmen, dynamischen Faktoren, Lastkollektiven und der Nachgiebigkeit der Struktur – entscheidet darüber, ob ein Lager seine ausgelegte Lebensdauer von 20 Jahren erreicht oder bereits nach fünf Jahren ausfällt.

Bei LILY Bearing führen wir vor der Lagerspezifikation gemeinsam mit unseren Kunden die vollständige Lastanalyse durch – und nicht nur einen Abgleich anhand des Katalogs.

Wenn Sie eine Anwendung mit kritischem Kippmoment haben und eine detaillierte technische Prüfung wünschen,kontaktieren Sie unser Team.