Die Übermaßpassung gehört zu den Grundprinzipien, die in nahezu jeder rotierenden Maschine vorkommen – vom Radlager im Pkw bis zur Spindel in einer industriellen Pumpe.

Und dennoch wird sie in der Praxis von Ingenieuren immer wieder falsch ausgeführt.

Ein Lager mit zu geringer Passung dreht im Gehäuse durch und beschädigt die Bohrung innerhalb weniger Wochen.

Wird es zu stramm eingepresst, kann der Außenring bereits beim ersten Anlauf reißen.

Die Toleranzwerte sind der ISO 286-1:2010 entnommen.

Die Montagehinweise entsprechen den veröffentlichten Spezifikationen der Lagerhersteller.

Was ist eine Übermaßpassung?

Eine Übermaßpassung – auch Presspassung genannt – ist eine Verbindung, bei der die Welle absichtlich geringfügig größer ausgeführt wird als die Bohrung, in die sie eingesetzt wird.

Dieser Maßunterschied wird als Übermaßbezeichnet.

Bei der Montage verformt sich das Material elastisch und erzeugt eine kraftschlüssige Verbindung, die ausschließlich durch Reibung gehalten wird.

Keine Befestigungselemente. Kein Klebstoff.

Das Grundprinzip: das Übermaß

Das Übermaß ist schlicht die Differenz zwischen den beiden Durchmessern vor der Montage:

Übermaß = Wellendurchmesser − Bohrungsdurchmesser

Bei einer Stahl-auf-Stahl-Verbindung unter normalen industriellen Belastungen liegt das typische Übermaß bei 0.025 mm bis 0.075 mm (0,001" bis 0,003") für eine 25-mm-Welle.

Das liegt unter der Breite eines menschlichen Haars – reicht jedoch aus, um Tausende Newton Axial- und Radialkraft aufzunehmen.

Presssitz im Vergleich zu anderen Passungsarten

Passungsart

Größenverhältnis

Montageverfahren

Relativbewegung

Spielpassung

Welle < Bohrung

Von Hand einpressbar

Lässt sich frei verschieben

Übergangspassung

Welle ≈ Bohrung

Mit leichtem Schonhammer

Kein bis geringes Spiel

Übermaßpassung (Presssitz)

Welle > Bohrung

Einpressen oder Erwärmen

Festsitzend – keine Relativbewegung

Wälzlager werden an mindestens einem Ring nahezu immer mit Übermaß montiert – und diese Auslegung ist bewusst gewählt, nicht zufällig.

Schiebesitz vs. Presssitz: Wann welcher Sitz einzusetzen ist

Ein Presssitz ist nicht in jedem Fall die richtige Lösung – entscheidend ist, welcher Ring rotiert.

Der rotierende Ring muss mit Übermaß sitzen, damit sich kein Kriechen einstellt.

Der stehende Ring kann – und sollte in vielen Fällen – mit Schiebesitz bzw. Spielpassung ausgeführt werden: Er lässt sich ohne Abzieher demontieren, gleicht die Wärmeausdehnung im Gehäuse aus und ermöglicht in bestimmten Ausführungen ein bewusstes axiales Spiel.

Ein Schiebesitz am stehenden Ring ist eine bewusste konstruktive Entscheidung.

Ein Schiebesitz am rotierenden Ring ist ein Anwendungsfehler – selbst bei geringer Belastung kommt es zum Kriechen. Es dauert lediglich länger.

Warum benötigen Wälzlager einen Presssitz?

Ein Lager, das sich in seinem Sitz bewegen kann, fällt vorzeitig aus.

Dieser Schadensmechanismus wird bezeichnet als Kriechen – dabei verdreht sich der Ring infolge zyklischer Belastung oder Schwingungen geringfügig im Gehäuse oder auf der Welle.

Die Folge ist Passungsrost: das typische orangebraune Pulver, das die Kontaktfläche abträgt.

Sobald das Kriechen einsetzt, beschleunigt sich der Prozess. Die Bohrung weitet sich.

Das Übermaß geht vollständig verloren.

Ein fachgerecht montiertes Presssitzlager verhindert Kriechen, da der Ring fest an seinem Platz gehalten wird.

Die Last wird über die Übermaßverbindung selbst übertragen, sodass die Kontaktgeometrie exakt an der vom Lagerkonstrukteur vorgesehenen Position erhalten bleibt.

Welcher Ring erhält den Presssitz – und warum?

Die Regel lautet: Der umlaufende Ring erhält stets die Presspassung. Der stehende Ring erhält eine lockerere Passung, damit er für Wartungsarbeiten demontiert werden kann.

Anwendung

Umlaufendes Element

Presspassung auf

Spielpassung auf

Elektromotor

Welle

Innenring

Außenring (Gehäuse)

Radnabe

Nabe / Außenschale

Außenring

Innenring (Spindel)

Förderband-Umlenkrolle

Außenschale

Außenring

Innenring (feststehende Welle)

Pumpenlaufrad

Welle

Innenring

Außenring

Ausnahme: wenn sich beide Ringe relativ zur Lastrichtung drehen, was bei bestimmten Planetengetriebe-Ausführungen vorkommt, sind für beide Ringe Presspassungen erforderlich. Beachten Sie hierzu die Anwendungshinweise des Lagerherstellers.

Müssen Lager immer als Presssitz ausgeführt werden?

Nein – bei den meisten rotierenden Anwendungen schon.

Ob ein Presssitzlager Presssitz erforderlich ist, hängt davon ab, welcher Lagerring sich in Bezug auf die Lastrichtung dreht.

Bedingung

Empfohlener Sitz

Begründung

Innenring rotiert (in den meisten Fällen)

Übermaßsitz auf der Welle

Verhindert das Wandern bei umlaufender Belastung

Außenring rotiert

Übermaßsitz im Gehäuse

Gleiches Prinzip – der rotierende Lagerring muss sicher fixiert sein

Beide Lagerringe unter Last feststehend

Spiel- oder Übergangssitz

Ermöglicht Wärmeausdehnung und erleichtert die Wartung

Geringe Belastungen, häufiger Service erforderlich

Übergangspassung

Ausgewogenes Verhältnis zwischen Sicherung und Demontierbarkeit

In der Praxis Rillenkugellager Bei Elektromotoren wird nahezu ausschließlich eine Wellentoleranz m5 oder k5 verwendet.

Stehlagereinheiten — die geschlossenen Gehäuseeinheiten, wie sie häufig in Förderanlagen und Landmaschinen eingesetzt werden — verwenden oft eine Taper-Lock-Buchse oder eine Spannhülse statt eines direkten Presssitzes.

Das ist eine zulässige Ausnahme, kein vereinfachter Workaround.

Presssitz-Toleranzen für Wälzlager: ISO 286 verständlich erklärt

Die Auswahl der Toleranz richtet sich nach ISO 286-1:2010— der internationalen Norm für Toleranzen und Passungen.

Jede Toleranzbezeichnung setzt sich aus einem Buchstaben zusammen, der die Lage des Toleranzfelds in Bezug auf das Nennnullmaß angibt, und einer Zahl, die die IT-Qualität und damit die Breite der Toleranz festlegt.

Wellentoleranzen für Passungen des Innenrings

Für einen rotierenden Innenring auf einer Welle gelten üblicherweise folgende Übermaßtoleranzen:

ISO-Toleranz

Übermaßbereich (25-mm-Welle)

Typische Anwendung

k5

+0.002 bis +0.015 mm

Geringe Belastungen, Präzisionsspindeln

m5

+0.004 bis +0.025 mm

Normale industrielle Belastungen — die gängigste Wahl

n6

+0,008 bis +0,033 mm

Hohe Belastungen, Stoß- und Schlagbelastungen

p6

+0,017 bis +0,042 mm

Sehr schwere oder dauerhafte Passungen

Diese Werte beziehen sich gemäß ISO 286-1 auf einen Nenn-Durchmesser von 25 mm.

Mit zunehmendem Wellendurchmesser steigt die Übermaßpassung — verwenden Sie für Ihre tatsächliche Bohrungsgröße stets die Montagetoleranztabellen des Wälzlagerherstellers, da sich die Toleranzbereiche deutlich verschieben. über 50 mmbezeichnet.

Gehäusetoleranzen für Außenringpassungen

Für einen feststehenden Außenring in einer Gehäusebohrung:

ISO-Toleranz

Passungscharakter

Typische Anwendung

H7

Spielpassung

Leicht demontierbar, für leichte Belastungen, axial verschiebbarer Außenring

Übergangspassung

Übergang

Normale Bedingungen, wenn eine Demontage erforderlich ist

Übermaßpassung

Übergang zur Übermaßpassung

Hohe radiale Belastungen, sichere Ringführung

M7

Übermaßpassung

Stoßbelastungen, dünnwandige oder geteilte Gehäuse

Wie sich Übermaßpassung auf das Lagerinnenluftspiel auswirkt

Das Einpressen eines Presssitzlager auf eine Welle verringert das Innenluftspiel – und von vielen Konstrukteuren wird dies nicht berücksichtigt.

Diagramm eines eingepressten Lagers mit Übermaßpassungsbereich, Lagerinnendurchmesser, Außendurchmesser, Wellendurchmesser und Gehäusebohrungsdurchmesser

Der Innenring weitet sich unter der Übermaßkraft aus und verringert den Spalt zwischen Laufbahnen und Wälzkörpern.

Als Faustregel gilt: Etwa 80 % des Wellenübermaßes führen zu einer Verringerung des radialen Innenluftspiels (dies ist nur ein Näherungswert — der tatsächliche Anteil hängt von Ringgeometrie und Werkstoff ab).

Ein Übermaß von 0.030 mm auf einer Welle mit 25 mm reduziert das Innenluftspiel somit um etwa 0.024 mm.

Wenn Sie Lager mit C3-Innenluftspiel für hohe Betriebstemperaturen vorsehen, muss diese Reduzierung bei der Wahl der Lagerluft berücksichtigt werden — andernfalls kann das Lager mit unerwarteter Vorspannung laufen.

Wie Sie eingepresste Lager montieren

Fehler bei der Montage sind die häufigste Ursache für einen vorzeitigen Lagerschadenbezeichnet.

Wird ein Lager nicht am Ring, sondern an den Wälzkörpern angeschlagen, können an den Laufbahnen Schäden entstehen, die von außen nicht sichtbar sind, jedoch innerhalb eines Bruchteils der berechneten Gebrauchsdauer zum Ausfall führen.

Verfahren 1: Kaltpressen

Am besten geeignet für kleinere Lager mit geringem Übermaß (typischerweise bis etwa 0.05 mm), unter Verwendung einer Dornpresse oder Hydraulikpresse.

Einpressmontage-Diagramm für Wälzlager mit korrekter Montage über den Innenring, korrekter Montage über den Außenring und falscher Krafteinleitung über die Wälzkörper

  1. Zuerst messen. Prüfen Sie die tatsächlichen Wellen- und Bohrungsdurchmesser mit einem Mikrometer. Stellen Sie die reale Passungsschrumpfung sicher – Nennzeichnungen berücksichtigen Fertigungstoleranzen nicht.

  2. Reinigen und entgraten. Entfernen Sie alle Grate, Späne und Verunreinigungen von Welle und Gehäusebohrung.

  3. Leicht schmieren. Ein dünner Film aus sauberem Mineralöl oder Montagepaste für Wälzlager auf beiden Oberflächen reduziert die Montagekraft und verhindert Fressspuren.

  4. Rechtwinklig positionieren. Eine Anfangs-Fehlausrichtung verkantet den Ring und beschädigt die Bohrung. Nehmen Sie sich die Zeit, ihn gerade anzusetzen.

  5. Nur auf die richtige Ringfläche drücken. Montage auf der Welle: Die Kraft nur auf den Innenring einleiten. Montage im Gehäuse: Die Kraft nur auf den Außenring einleiten. Niemals über die Wälzkörper belasten.

  6. Vollständigen Sitz prüfen. Zwischen Ringstirnfläche und Wellenbund darf kein Spalt vorhanden sein. Prüfen Sie im Zweifel mit einer Fühlerlehre.

Methode 2: Warmmontage

Bei größeren Lagern oder höheren Übermaßwerten dehnt das Erwärmen des Lagers den Innenring so weit aus, dass er sich ohne Presskraft auf die Welle schieben lässt.

Das ist schonender für das Lager und verringert das Schadensrisiko deutlich.

Induktionsheizer für die Warmmontage von Wälzlagern mit Wärmeübertragung vom Außenring zum Innenring und Temperaturgradienten-Pfeilen

  • Zieltemperatur: 80°C–100°C (176°F–212°F). Verwenden Sie einen Induktionsheizer oder einen temperaturgeregelten Ofen. Niemals mit offener Flamme erhitzen – das zerstört das Fett und führt zu ungleichmäßiger Erwärmung, wodurch der Ring reißen kann.

  • Absolute Obergrenze: 120°C (248°F). Oberhalb dieses Bereichs wird die Wärmebehandlung des Wälzlagerstahls bereits beeinträchtigt, wodurch Härte und Maßstabilität abnehmen. Aus diesem Grund verfügen die meisten Induktionsheizgeräte über eine integrierte Abschaltfunktion.

  • Schnell arbeiten. Schieben Sie das erwärmte Lager auf die Welle und drücken Sie es fest gegen den Wellenbund. Halten Sie es in dieser Position. Beim Abkühlen zieht es sich zusammen und sitzt dann fest — wird der Druck zu früh gelöst, kann das Lager vor dem Bund festgehen und ist anschließend kaum noch zu korrigieren.

  • Vor der Belastung abkühlen lassen. Nehmen Sie die Maschine erst in Betrieb, wenn das Lager wieder Umgebungstemperatur erreicht hat. Restwärme macht das Fett vorübergehend weicher, und die Passung erreicht erst nach vollständiger Schrumpfung des Metalls ihre volle Festigkeit.

Induktionsheizgeräte sind in der Produktion das bevorzugte Werkzeug: 3 bis 5 Minuten bis zur Zieltemperatur, präzise Abschaltregelung und kein Risiko durch Ölverunreinigung oder Brand.

Methode 3: Hydraulische Mutter (Lager mit Kegelbohrung)

Pendelkugellager und Pendelrollenlager sind häufig mit Kegelbohrungen erhältlich (Konus 1:12 oder 1:30).

Sie werden nicht direkt auf der Welle montiert, sondern auf einer konischen Spannhülse.

Eine hydraulische Mutter wird auf die Hülse aufgeschraubt und übt eine kontrollierte Axialkraft aus, um das Lager auf den Konus zu ziehen.

Die Übermaßpassung wird über den axialen Aufschubweg bestimmt, nicht über die Wellen- oder Bohrungsdurchmesser.

Die Tabelle des Lagerherstellers gibt für jede Lagergröße den erforderlichen Aufschubweg in Millimetern an — ein Pendelrollenlager 22216 (80 mm Bohrung) auf einem Konus 1:12 benötigt beispielsweise aus der Nullspielfstellung einen Aufschub von etwa 0,90–1,25 mm.

Dieses Verfahren ist insbesondere in Förderanlagen und schweren Industrieanwendungen von Vorteil, weil sich Lager ohne Beschädigung der Welle demontieren und erneut montieren lassen und die Passung reproduzierbar per Messung statt nach Gefühl eingestellt wird.

Häufige Montagefehler

Fehler

Folge

Vorbeugung

Kraft auf den Außenring beim Aufpressen auf die Welle ausüben

Brinelling — bleibende Eindrückungen in den Laufbahnen durch den Aufprall von Wälzkörpern

Immer den Ring anpressen, der montiert wird

Keine Schmierung auf den Passflächen

Fressen oder Festgehen beim Einpressen

Leichtes Mineralöl oder Montagepaste

Lager zu Beginn nicht rechtwinklig ausgerichtet

Verkippter Ring, beschädigte Gehäusebohrung

Vor dem Kraftaufbringen die Ausrichtung prüfen

Erwärmung mit offener Flamme statt per Induktion oder im Ofen

Zerstörung des Fetts, ungleichmäßige Ringausdehnung, Risiko von Rissbildung

Induktionsanwärmer oder Ofen mit Temperaturregelung verwenden

Nicht bis zum Anschlag an der Schulter

Passungsrost im Teilkontaktbereich; Mikrobewegungen unter Last

Sitz nach dem Einpressen mit der Fühlerlehre prüfen

Presssitzlager ausbauen

Methode 1: Lagerabzieher

Ein Zwei- oder Dreibein-Lagerabzieher ist das Standardwerkzeug zum Abziehen von Lagern von Wellen.

Die Abzugshaken greifen hinter die Stirnfläche des Innenrings — nicht am Außenring und keinesfalls am Käfig oder an den Wälzkörpern.

Die Druckspindel stützt sich am Wellenende ab und erzeugt beim Anziehen eine gleichmäßige axiale Abziehkraft.

Einige Punkte sind dabei zu beachten: Die Abzugshaken sollten so nah wie möglich an der Stirnfläche des Rings angesetzt werden, um die Biegebelastung der Haken zu minimieren.

Wenden Sie die Kraft langsam an — ein harter Schlag kann Stoßlasten über die Wälzkörper einleiten und an den Laufbahnen eines ansonsten noch einwandfrei verwendbaren Lagers Brinell-Eindrücke verursachen.

Bei stark festsitzenden Lagern empfiehlt sich ein Abzieher mit hydraulischer Unterstützung — dabei ersetzt ein Hydraulikzylinder die Zentralschraube, wodurch sich die Kraft kontrollierter aufbringen lässt und ein Abrutschen der Abzugshaken vermieden wird.

Ziehen Sie stets an dem Ring, der den Presssitz aufweist.

Wird beim Abziehen eines Lagers von einer Welle am Außenring angesetzt, werden die Wälzkörper in eine nicht vorgesehene Richtung belastet und beschädigt.

Methode 2: Hydraulische Presse

Bei Lagern in Gehäusen — oder überall dort, wo ein Abzieher keinen sicheren Angriff findet — ist eine hydraulische Presse mit passender Hülse die sauberste Lösung.

Stützen Sie das Gehäuse oder die Welle sicher ab, damit der Kraftfluss direkt über die Hülse auf den zu entfernenden Ring übertragen wird.

Die Hülse darf ausschließlich an der Stirnfläche des auszubauenden Rings anliegen — nicht an der Welle, den Wälzkörpern oder dem Käfig.

Ein Satz abgestufter Montage- und Demontagehülsen für Wälzlager deckt die gängigsten Bohrungsdurchmesser ab und gehört zu den sinnvollsten Investitionen für eine Instandhaltungswerkstatt.

Bringen Sie die Presskraft langsam und gleichmäßig auf.

Bewegt sich das Lager innerhalb der ersten 2–3 mm des Presswegs nicht, stoppen Sie und prüfen Sie die Ausrichtung.

Wird ein verkantetes Lager mit voller Presskraft belastet, kann das Gehäuse oder der Ring reißen.

Methode 3: Thermische Kontraktion

Trockeneis (−78°C / −109°F) lässt eine Stahlwelle um etwa 0,030 mm je 25 mm Durchmesser und je 100°C Temperaturabfall schrumpfen (linearer Ausdehnungskoeffizient von Stahl: 12 × 10−6/°C).

Bei einer 50 mm Welle, die von 20°C auf −78°C abgekühlt wird (Temperaturabfall von rund 100°C), ergibt sich eine Durchmesserreduzierung von etwa 0,060 mm — ausreichend, um einen leichten bis mittleren Presssitz spürbar zu verringern.

Legen Sie Trockeneis 10–15 Minuten lang um die Welle, während Sie das Lagergehäuse auf Raumtemperatur halten (oder es leicht erwärmen).

Durch die unterschiedliche Wärmeausdehnung verringert sich der Presssitz, sodass sich das Lager häufig mit moderater Kraft statt mit einer Presse abziehen lässt.

Dieses Verfahren ist vor allem dann praktikabel, wenn das Lager an einer Stelle sitzt, die mit Abzieher oder Presse nur schwer erreichbar ist, oder wenn der Schutz einer präzisen Wellenoberfläche Vorrang hat.

Zur Erzielung der maximalen Wirkung mit leichter Erwärmung des Außenrings des Lagers kombinieren – jedoch die Temperatur unter 100 °C halten, um die Wärmebehandlung des Rings nicht zu beeinträchtigen.

Hinweis: Verwenden Sie kein Schneidwerkzeug, um ein Lager zu entfernen, das wiederverwendet werden soll. Muss ein zu ersetzendes Lager abgetrennt werden, schützen Sie die Wellenoberfläche zwischen Werkzeug und Welle mit einem Streifen aus Metall oder Hartholz – eine in die Welle eingeschnittene Nut führt zu einer Kerbwirkung und kann später Ermüdungsrisse verursachen.

Das passende Presssitzlager für Ihre Anwendung auswählen

Sechs Lagertypen für Presssitzanwendungen, darunter Rillenkugellager, Zylinderrollenlager, Pendelrollenlager, Kegelrollenlager, Schrägkugellager und Nadelrollenlager

Passungsempfehlungen nach Lagertyp

Lagertyp

Typische Wellentoleranz

Typische Gehäusetoleranz

Hinweise

Rillenkugellager (6xxx)

k5 / m5

H7 / J7

Am häufigsten eingesetztes Presssitzlager; beide Ringe können mit Übermaß montiert werden

Zylinderrollenlager (NJ, NU)

m5 / n6

H6 / J6

Geteilte Bauart; der Außenring bleibt häufig für thermische Ausdehnung mit Spiel

Kegelrollenlager

k5 / n6

H7 / K7

Lagerschale und Kegel werden separat montiert; beide Passungen sind unabhängig zu prüfen.

Pendelrolle

m5 / n6

H7 / M7

Für Förderanlagen und Schwerlastanwendungen ist eine Kegelbohrung mit Spannhülse zu erwägen.

Schrägkugellager

k5 / m5

H6 / K6

Bei Präzisionsspindeln werden an der Welle engere Toleranzen nach p5/p6 verwendet.

Nadelrolle

h5 / js5

H6 / J6

Sehr geringer Querschnitt — schon eine geringe Übermaßpassung kann den Ring ovalisieren.

Werkstoffaspekte: Guss- und Aluminiumgehäuse

Die meisten Formeln für Presssitze sind für Stahl auf Stahl ausgelegt.

Bei einem Gussgehäuse sollten Sie etwa 60 % des Übermaßwertes für Stahl ansetzen.

Gusseisen weist eine geringere Zugfestigkeit auf und ist anfällig für Ringspannungsrisse — insbesondere bei dünnwandigen oder stark verrippten Gehäusen, in denen sich Spannungen ungleichmäßig konzentrieren.

Aluminiumgehäuse erfordern besondere Sorgfalt.

Der Wärmeausdehnungskoeffizient von Aluminium beträgt ungefähr 23 × 10−6/°C, gegenüber 12 × 10−6/°C für Stahl — ungefähr doppelt so hochbezeichnet.

Bei einer typischen Betriebstemperatur von 80°C (also einer Temperaturerhöhung um 60°C gegenüber 20°C Umgebungstemperatur) dehnt sich ein 50 mm großes Aluminiumgehäuse über denselben Temperaturanstieg um etwa 0.033 mm stärker aus als ein Außenring aus Stahl (50 × 11 × 10−6 × 60).

Diese Ausdehnung verringert die wirksame Pressung unmittelbar.

Führen Sie die thermische Berechnung durch, bevor Sie die Toleranz festlegen.

Eine Passung, die bei Raumtemperatur noch korrekt sitzt, kann in einem Aluminiumgehäuse bei Betriebstemperatur nahezu keine Pressung mehr aufweisen.

Reduzieren Sie die Pressung bei Raumtemperatur zunächst um 40–50 % und gleichen Sie den Wert anschließend mit Ihrer tatsächlichen Temperaturdifferenz ab.

Eine fehlerhafte Presspassung erkennen

Achten Sie bei der Inspektion oder Demontage auf folgende Anzeichen:

Lagergehäusebohrung mit Reibkorrosion und orangebraunem Eisenoxidpulver – Hinweis auf eine versagte Presspassung infolge von Ringwanderung

  • Orangebraunes Pulver um den Lagersitz herum. Eisenoxid aus Reibkorrosion – das klassische Anzeichen für eine lose Passung und Ringwanderung.

  • Polierte oder verschmierte Bohrungsoberfläche. Helle, blank polierte Spuren an der Gehäusebohrung oder Welle deuten darauf hin, dass sich der Ring gedreht hat.

  • Bohrungsdurchmesser größer als die Spezifikation. Wenn Sie die Bohrung nach dem Ausbau des Lagers messen und feststellen, dass sie größer geworden ist, hat sich das Gehäuse durch wiederholte Kriechvorgänge plastisch verformt.

  • Geräusche und Vibrationen, die nach einem Lagerwechsel rasch wieder auftreten. Wenn ein neues Lager das Problem für 2–4 Wochen behebt und die Symptome danach zurückkehren, ist die Passung — nicht das Lager — die eigentliche Ursache.

  • Lokale Erwärmung am Lager. Reibung durch einen drehenden Ring erzeugt eine im Verhältnis zur Last unverhältnismäßig hohe Wärmeentwicklung.

Wenn Passungsrost bestätigt ist, dürfen Sie kein neues Lager mit derselben Toleranz montierenbezeichnet.

Die Bohrung ist nun überdimensioniert.

Vorzugsweise stehen folgende Maßnahmen zur Verfügung: eine Lagersicherungsmasse auftragen (für diesen Zweck ausgelegte anaerobe Klebstoffe sind über industrielle Klebstofflieferanten erhältlich), das Gehäuse mit einer präzisionsgeschliffenen Buchse auskleiden oder das Gehäuse ersetzen.

Häufig gestellte Fragen

Was geschieht, wenn das Übermaß zu groß ist?

Dabei können zwei Probleme auftreten. Die Umfangsspannung im Außenring — beziehungsweise die Druckspannung in der Welle — kann die Streckgrenze des Werkstoffs überschreiten, sodass der Ring reißt oder die Welle bei der Montage plastisch verformt wird.

Selbst wenn die Montage ohne Schaden überstanden wird, kann das innere Lagerspiel vollständig aufgehoben sein. Das Lager läuft dann mit ständiger Vorspannung: hohe Kontaktspannungen, erhöhte Temperatur und eine verkürzte Ermüdungslebensdauer sind die Folge.

Ein dünnwandiges Gehäuse ist dabei besonders gefährdet. Ein zu großes Übermaß kann das Gehäuse ovalisieren, den Außenring-Laufbahnring verformen und selbst bei geringen Lasten Schwingungen sowie vorzeitige Abplatzungen verursachen.

Kann ein Presssitzlager nach dem Ausbau wiederverwendet werden?

In den meisten Fällen nein. Der Ausziehvorgang — unabhängig davon, ob mit Abzieher oder Presse — belastet die Laufbahnen und Wälzkörper.

Mikrorisse können entstehen, ohne dass äußerlich Anzeichen sichtbar sind.

Darüber hinaus vergrößert sich die Gehäusebohrung nach einem ersten Presssitz häufig geringfügig, sodass ein erneut montiertes Lager ein geringeres als das vorgegebene Übermaß aufweist.

Bei sicherheits- oder funktionskritischen Anwendungen — Motoren, Getriebe, Pumpen — sollte grundsätzlich immer ein neues Lager montiert werden. In weniger kritischen Fällen, in denen die Kosten tatsächlich begrenzt sind, ist das Lager mit einer Lupe zu prüfen, die Bohrung mit einer Innenmessuhr zu messen und das tatsächliche Übermaß vor einer Wiederverwendung neu zu berechnen.

Was ist eine Presssitz-Lagernabe?

Eine Presssitz-Lagernabe ist eine Radnabe oder mechanische Nabe, bei der der Außenring des Lagers direkt in die Nabenbohrung eingepresst wird — ohne Schrauben, Sicherungsringe oder einen separaten Träger.

Dies ist die Standardausführung bei den meisten Vorderradbaugruppen von Personenkraftwagen.

Der Bohrungsdurchmesser der Nabe ist entscheidend. Ist die Bohrung zu groß — selbst um 0,01–0,02 mm — wandert das Lager auf dem Sitz, erzeugt Wärme und fällt vorzeitig aus.

Die Messung der Nabenbohrung vor und nach dem Lagereinbau ist in der präzisen Automobilmontage übliche Praxis.

Erfordern Schrägkugellager ein abweichendes Vorgehen bei der Presspassung?

Ja. Schrägkugellager werden in der Regel paarweise eingebaut — in O-Anordnung (DB) oder X-Anordnung (DF) — wobei die axiale Vorspannung des Paars ebenso wichtig ist wie die radiale Übermaßpassung.

Die Übermaßpassung übernimmt die radiale Positionierung; die Vorspannung wird separat eingestellt, entweder durch Schleifen der Ringstirnflächen auf eine definierte Dicke oder durch Anziehen einer Sicherungsmutter mit einem berechneten Drehmoment.

Ist das Übermaß bei einem Schrägkugellagersatz falsch gewählt, verändert sich die Vorspannung.

Ein zu großes Übermaß verringert das innere Spiel und erzeugt zusätzlich zur vorgesehenen Vorspannung eine ungewollte Zusatzvorspannung — das Lager läuft heiß und die Lebensdauer verkürzt sich deutlich.

Wichtige Kennzahlen auf einen Blick

Schnellübersicht über die am häufigsten relevanten Richtwerte:

Parameter

Wert / Richtwert

Übermaß, 25-mm-Welle, normale Belastung (m5)

+0.004 bis +0.025 mm

Übermaß, 25-mm-Welle, geringe Belastung (k5)

+0.002 bis +0.015 mm

Maximale Erwärmungstemperatur für die Montage

120°C (248°F) — absolute Obergrenze

Empfohlene Zieltemperatur für die Erwärmungsmontage

80°C–100°C (176°F–212°F)

Abnahme des inneren Spiels (ca.)

ca. 80 % des Übermaßes der Welle

Graugussgehäuse — Übermaß reduzieren um

Berechnung: ca. 40 % gegenüber Stahl

Aluminiumgehäuse — Übermaß reduzieren um

40–50 % (thermisch prüfen)

Pendelrollenlager (22216) auf 1:12-Kegel aufziehen

ca. 0,90–1,25 mm ab der Nullspiel-Position

Die Presspassung ist nicht kompliziert – die Toleranzreserven sind jedoch gering.

Ein Übermaßfehler von 0,020 mm kann die berechnete Lagerlebensdauer erheblich verkürzen.

Messen Sie präzise, verwenden Sie die richtigen Werkzeuge, und Sie müssen sich lange Zeit nicht mehr mit diesem Lager befassen.