Die Auswahl der richtigen Edelstahlsorte ist lediglich der erste Schritt.
In Anlagen der Lebensmittelverarbeitung, auf Offshore-Plattformen und in Chemieanlagen sorgt der Werkstoff allein noch nicht für einen zuverlässigen Lagerbetrieb – Dichtung und Schmierstoff übernehmen den wesentlichen Teil der Aufgabe.
Wird einer der beiden Faktoren falsch ausgelegt, kann selbst ein 316-Edelstahllager vorzeitig ausfallen.
Dieser Leitfaden konzentriert sich auf die nächsten Schritte nach der Werkstoffauswahl: wie Dichtungswerkstoffe und Schmierstoffe an die jeweilige Einsatzumgebung anzupassen sind und wie sich die häufigsten Auslegungsfehler vermeiden lassen.
Mit den Grundlagen bereits vertraut? Dieser Beitrag knüpft an unsere Leitfäden zu Dichtungstypen und Wälzlager-Schmierstoffen an. Im Mittelpunkt stehen hier Edelstahllager für den Einsatz in besonders aggressiven Umgebungen.
Was macht ein Lager chemisch inert?
Der Begriff chemisch inertes Lager bezeichnet eine Lagereinheit, bei der sämtliche Komponenten – Laufbahn, Wälzkörper, Käfig, Dichtung und Schmierstoff – beständig gegen Schädigung durch aggressive Medien wie starke Säuren, Laugen, Lösungsmittel oder Oxidationsmittel sind.
Kein einzelner Werkstoff erreicht dies für sich allein. Echte chemische Inertheit ist eine Systemeigenschaft, keine Eigenschaft des Werkstoffs allein.
So trägt jede Komponente dazu bei:
Laufbahn und Wälzkörper: Edelstahl 316 bietet eine gute Beständigkeit gegenüber Chloriden und vielen Industriechemikalien. Bei stärkeren Oxidationsmitteln oder halogenhaltigen Medien bieten keramische Wälzkörper (Si₃N₄) oder Vollkeramiklager ein deutlich höheres Maß an chemischer Beständigkeit.
Käfigwerkstoff: Standardmäßige Stahlkäfige korrodieren in aggressiven Umgebungen. Käfige aus PTFE, PEEK oder glasfaserverstärktem Nylon sind gängige Alternativen für chemikalienbeständige Lagerbaugruppen.
Dichtungswerkstoff: Die Dichtung ist häufig das schwächste Glied. PTFE und FFKM (Perfluorelastomer) bieten die breiteste chemische Beständigkeit. NBR und Standard-Silikon altern in den meisten aggressiven chemischen Umgebungen schnell.
Schmierstoff: Schmierfette auf Kohlenwasserstoffbasis reagieren mit starken Oxidationsmitteln und vielen Lösungsmitteln. PFPE-Schmierstoffe (Perfluorpolyether) sind gegenüber nahezu allen industriellen Medien chemisch inert und gelten als Standardwahl, wenn die Schmierstoffverträglichkeit kritisch ist.
Wenn Sie für stark verunreinigte Umgebungen ein chemisch inertes Lager auslegen, prüfen Sie die Verträglichkeit jedes einzelnen Bauteils mit den jeweils vorhandenen Medien – nicht nur das Lagermaterial isoliert betrachtet.
Warum Edelstahllager weiterhin eine spezielle Abdichtung benötigen
Edelstahl ist korrosionsbeständig – die Dichtung verfügt jedoch nicht automatisch über dieselbe Beständigkeit.
Ein Laufbahnring aus Edelstahl 316 in Kombination mit einer Standard-NBR-Dichtung (Nitril) ist eine Schwachstelle: Der Stahl übersteht die chemische Beanspruchung, die Dichtung hingegen nicht.

NBR ist beständig gegenüber mineralölbasierten Medien und moderaten Temperaturen (etwa −30°C bis +100°C).
Setzen Sie es in eine CIP- Reinigungsumgebung mit Natronlauge bei 80°C, oder in ein Hydrauliksystem auf Phosphatesterbasis, und das Elastomer quillt auf, verhärtet oder reißt innerhalb weniger Monate.
Die Diskrepanz zwischen der Leistungsfähigkeit des Lagerwerkstoffs und der tatsächlichen Grenzfestigkeit der Dichtung zählt zu den am wenigsten beachteten Ursachen für vorzeitige Ausfälle von Edelstahllagern.
Auswahl des Dichtungsmaterials für anspruchsvolle Einsatzbedingungen
Viton (FKM): Der bewährte Standard für chemische Belastungen
Viton – technisch FKM (Fluorelastomer) – ist für die meisten Anwendungen unter rauen Umgebungsbedingungen die praxisgerechteste Aufrüstung gegenüber NBR.
Es ist für Temperaturen von −20°C bis +250°C ausgelegt und beständig gegenüber einer breiten Palette industrieller Medien: Kraftstoffen, Säuren, Hydraulikflüssigkeiten und vielen Lösungsmitteln.

Geeignet für: Chemische Verfahrenstechnik, Erdölraffination, Hochtemperatur-Reinigungen und ölbenetzte Umgebungen.
Zu beachten: Viton ist für Dampf nicht geeignet oberhalb von 120°C oder für Phosphatester-Fluide wie Skydrol. In diesen Fällen ist EPDM die bessere Wahl.
EPDM: Der Spezialist für Dampf und Heißwasser
EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk) ist ausgelegt für +150°C und eignet sich sehr gut für Dampf, Heißwasser und Phosphatester-Fluide.
Außerdem ist es ozon- und UV-beständig, was bei Außenanlagen oder UV-exponierten Installationen von Bedeutung ist.

Geeignet für: Reinigungsprozesse in der Lebensmittelverarbeitung (Heißwasser und Reinigungsmittel), Getränkeanlagen und pharmazeutische Produktionsstätten mit Dampfsterilisation.
Zu beachten: EPDM ist mit Erdölölen und den meisten kohlenwasserstoffbasierten Medien nicht kompatibel. Verwenden Sie es nicht in Bereichen mit Ölschmierung des Lagers.
PTFE: Maximale chemische Beständigkeit, minimale Reibung
PTFE (Polytetrafluorethylen) ist gegenüber nahezu allen Medien chemisch inert – darunter starke Säuren, starke Laugen, Lösungsmittel und Oxidationsmittel.
Es ist im Dauerbetrieb einsetzbar von −80°C bis +260°C.
Auch sein Reibungskoeffizient ist der niedrigste unter den gängigen Dichtwerkstoffen, wodurch sich die Wärmeentwicklung in Hochgeschwindigkeitsanwendungen reduziert.

Der Nachteil: PTFE ist steif. Anders als FKM oder EPDM verfügt es über kein elastisches Rückstellvermögen; daher muss die Montage sehr präzise erfolgen, damit die Dichtung korrekt sitzt.
Besonders geeignet für: Halbleiterfertigung, aggressive chemische Umgebungen, Reinräume sowie alle Anwendungen, bei denen die chemische Beständigkeit im Vordergrund steht.
Hinweis: Für dynamische Abdichtungen, bei denen sowohl extreme chemische Beständigkeit als auch Elastizität gefordert sind, empfiehlt sich FFKM (Perfluorelastomer) – im Wesentlichen eine vollständig fluorierte Variante von FKM. Die Kosten sind deutlich höher, dafür kann sich die Lebensdauer der Dichtung um das 10-Fache oder mehr verlängern unter den härtesten Einsatzbedingungen.
Schneller Vergleich
Dichtungswerkstoff | Temperaturbereich | Chemische Beständigkeit | Geeignete Einsatzumgebungen |
NBR (Standard) | −30°C bis +100°C | Mineralöl, milde Chemikalien | Allgemeiner Industriebereich (nicht hochbelastet) |
Viton (FKM) | −20°C bis +250°C | Säuren, Kraftstoffe, die meisten Lösungsmittel | Chemieanlagen, Raffinerien |
EPDM | −45 °C bis +150 °C | Dampf, Heißwasser, Phosphorsäureester | Reinigungs- und Abwaschprozesse in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie |
PTFE | −80°C bis +260°C | Nahezu universell | Reinräume, aggressive Chemikalien |
FFKM | −20 °C bis +325 °C | Universell (breiteste Beständigkeit) | Halbleiterindustrie, Luft- und Raumfahrt, Pharmaindustrie |
Einfachdichtung vs. mehrstufige Dichtungssysteme
Wenn eine Dichtung nicht ausreicht
In moderat beanspruchten Umgebungen – bei leichter Feuchtigkeit und normaler Staubbelastung – erfüllt eine einfache Kontaktdichtung ihren Zweck.
In Umgebungen mit Hochdruckreinigung, Salzwasserspritzern oder abrasiven Schwebepartikeln stellt eine einzelne Dichtung jedoch einen potenziellen Ausfallpunkt dar.
Die Lösung besteht in einer mehrstufigen Abdichtung: Dabei werden unterschiedliche Barrierearten kombiniert, sodass Verunreinigungen mehrere Schutzstufen überwinden müssen, bevor sie die Laufbahn erreichen.
Labyrinthdichtungen und Schleuderringe
Eine Labyrinthdichtung, auch Schleuderring oder Ablenker genannt, ist eine berührungslose Barriere, die außen vor der primären Kontaktdichtung angeordnet wird.
Sie erzeugt einen verwinkelten Strömungsweg, der flüssige und feste Verunreinigungen ablenkt, bevor diese überhaupt die Dichtlippe erreichen.

In Offshore-Anwendungen sowie im Bergbau ist die Kombination aus äußerer Labyrinthdichtung bzw. Schleuderring und innerer Kontaktdichtung (FKM oder EPDM) gängige Praxis.
Der Schleuderring hält den Großteil von Salzwasser oder Schlamm zurück; die Kontaktdichtung übernimmt den Rest.
Dreilippendichtungen in der Lebensmittelverarbeitung
In Lebensmittel- und Getränkeanlagen mit Hochdruck-CIP-Reinigungen, haben sich Dreilippendichtungen als Industriestandard etabliert.
Drei konzentrische Dichtlippen sorgen dafür, dass das Lager die IP69K-Prüfung besteht – beständig gegen 80°C Wasserstrahlen mit 80 bar aus jeder Richtung.
Vorgefüllt mit H1-zertifiziertem Schmierstoff und in Kombination mit einem glatten Gehäuse aus Edelstahl, das Wasseransammlungen verhindert, gilt diese Ausführung heute als Best Practice für hygienische Anwendungen.

Schmierung von Edelstahllagern unter rauen Einsatzbedingungen
Der eigentliche Ausfallmechanismus: Auswaschen des Schmierstoffs
In Washdown-Umgebungen ist die häufigste Ursache für den Ausfall von Edelstahllagern nicht Korrosion, sondern der Verlust des Schmierstoffs.
Hochdruckwasserstrahlen verdrängen das Fett aus der Laufbahn.
Sobald der Schmierfilm versagt, kommt es innerhalb weniger Stunden zum Metall-auf-Metall-Kontakt, und die 316 Edelstahl-Laufbahnen verschleißen unabhängig von ihrer Korrosionsbeständigkeit.
Das passende Schmiermittel bleibt unter den tatsächlichen Einsatzbedingungen zuverlässig an seinem Platz.
Lebensmitteltaugliches H1-Fett
In allen Anwendungen mit möglichem unbeabsichtigtem Lebensmittelkontakt sind H1-registrierte Schmierstoffe in den meisten Märkten gesetzlich vorgeschrieben.
Diese synthetischen Fette erfüllen FDA 21 CFR 178.3570 und NSF-H1-Registrierung.

Was ein hochwertiges H1-Fett in einer Washdown-Umgebung von einem einfachen Fett unterscheidet, ist die Wasserbeständigkeit.
Achten Sie auf Formulierungen mit Polyharnstoff- oder Calciumkomplex-Verdickern – sie sind gegen Emulgierung bei wiederholtem Kontakt mit heißem Wasser deutlich widerstandsfähiger als H1-Fette auf Lithiumbasis.
Wichtige zu prüfende Spezifikation: Tropfpunkt über 200 °C ist sicherzustellen, dass das Fett bei Heißreinigung weder ausdünnt noch ausgewaschen wird.
Marinefett (Calciumsulfonatkomplex)
Für maritime, küstennahe und untergetauchte Anwendungen gilt Calciumsulfonatkomplexfett als Standard.
Es bietet folgende Vorteile:
Hervorragende Wasserbeständigkeit und Haftung – auch bei Immersion in Salzwasser wird das Produkt nicht ausgewaschen.
Integrierte Rost- und Korrosionsinhibitoren
Hohe Tragfähigkeit (vorteilhaft bei den in maritimen Anlagen üblichen Stoßbelastungen)
Diese Fettart wird zudem zunehmend in Offshore-Anlagen der erneuerbaren Energien eingesetzt, etwa in Gezeitenkraftwerken und Wellenenergiewandlern, wo Wälzlager dauerhaft Meerwasser ausgesetzt sind.

PFPE-Schmierstoffe (Perfluorpolyether) für extreme chemische Umgebungen
In Chemieanlagen, in denen der Schmierstoff selbst aggressiven Medien wie starken Oxidationsmitteln, konzentrierten Säuren oder reaktiven Gasen ausgesetzt sein kann, bauen herkömmliche Kohlenwasserstoff- oder synthetische Esterfette ab.
PFPE-Schmierstoffe sind die Lösung: voll fluorierte Öle, die gegenüber nahezu allen Industriechemikalien chemisch inert sind und sich für Sauerstoffanwendungen eignen.

PFPE-Fette sind deutlich teurer als Standard-Synthese fette, doch in Anwendungen, in denen eine Verunreinigung oder Alterung des Schmierstoffs gravierende Folgen hätte, etwa bei der Handhabung von Chlorgas oder in Halbleiterfertigungen, tritt der Kostenfaktor in den Hintergrund.
Fette mit geringer Ausgasung für Reinräume und Vakuum
Edelstahl-Wälzlager, die in Reinräumen, Medizinprodukten oder Vakuumkammern eingesetzt werden, erfordern Schmierstoffe mit extrem niedrigem Dampfdruck.
Standardfette gasen aus und setzen flüchtige Verbindungen frei, die kontrollierte Umgebungen verunreinigen.

Für diese Anwendungen werden Fette mit geringer Ausgasung, häufig auf PFPE-Basis oder auf Basis spezieller synthetischer Ester, spezifiziert; sie sollten über die für den jeweiligen Einsatzbereich relevanten Zertifizierungen verfügen.
Feststoffschmierung: Wenn Fett keine Option ist
Funktionsweise
Bei der Feststoffschmierung wird herkömmliches Fett durch eine mit Öl gesättigte Polymermatrix ersetzt – in der Regel eine mikroporöse Polyurethanstruktur.
Der Polymerkörper wird so ausgeformt, dass er den Innenraum des Lagers vollständig ausfüllt.
Im Betrieb gibt die Matrix das Öl mit kontrollierter Abgabe direkt an die Laufbahnen und Wälzkörper ab.
Da der Schmierstoff physikalisch in der Polymerstruktur gebunden ist, kann er weder durch Wasserstrahlen ausgewaschen noch durch Vibrationen verdrängt werden.
Wann sie spezifiziert werden sollte
Eine Festschmierstoffschmierung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn:
Der Nachschmierzugang schwierig oder nicht möglich ist (tief im Maschineninneren, an schwer zugänglichen Einbauorten)
Die Reinigungsintensität sehr hoch ist (z. B. IP69K-Umgebungen mit täglicher Heißdruckreinigung)
Die Anwendung tatsächlich einen lebensdauergeschmierten Betrieb ohne jeglichen Wartungseingriff erfordert
Für Anwendungen in der Lebensmittelindustrie stehen NSF-H1-registrierte Festschmierstoffe zur Verfügung.
Diese sind in einem Temperaturbereich von etwa −10 °C bis +100 °C(14 °F bis 212 °F), womit die meisten Bedingungen der Lebensmittelverarbeitung abgedeckt sind.
Einschränkungen
Die Festschmierstoffschmierung ist keine Universallösung.
Sie verfügt über ein festes Schmierstoffreservoir, das sich mit der Zeit erschöpft – „lebensdauergeschmiert“ bezieht sich auf die zu erwartende Lebensdauer des Lagers und nicht auf einen unbegrenzten Zeitraum.
Zudem begrenzt sie die zulässigen Drehzahlen des Lagers, da bei höheren Geschwindigkeiten Wärme entsteht, die die Festschmierstoffmatrix nicht so wirksam ableiten kann wie umlaufendes Fett.
Prüfen Sie vor der Auslegung die Eignung hinsichtlich Drehzahl und Belastung.
Empfehlungen nach Einsatzumgebung
Einsatzumgebung | Empfohlene Dichtung | Empfohlenes Schmiermittel | Zusätzliche Hinweise |
Lebensmittel- und Getränkeverarbeitung | EPDM oder Silikon, Dreilippendichtung | H1-Polyharnstoff- oder Calcium-Komplexfett | Schutzart IP69K; glattes Gehäuse; an schwer zugänglichen Schmierstellen Festschmierstoff in Betracht ziehen |
Chemieanlagen | Viton (FKM) oder PTFE | PFPE-Fett oder synthetisches fluoriertes Öl | Chemische Beständigkeit gegenüber dem jeweiligen Medium prüfen |
Marine- und Salzwasseranwendungen | NBR oder FKM + äußerer Schleuderring | Calcium-Sulfonat-Komplexfett | Lager aus 316er Edelstahl bevorzugt; Drehzahlgrenzen prüfen |
Pharmazeutische Anwendungen / Reinraum | PTFE (vorzugsweise berührungslos) | PFPE-Fett mit geringer Ausgasung | Schmierstoff nach dem jeweils geltenden regulatorischen Standard zertifizieren |
Bergbau / abrasiver Staub | FKM-Kontaktdichtung + Labyrinthdichtung | EP-Lithium-Komplexfett mit hoher Viskosität | Mehrstufige Abdichtung priorisieren; engmaschigen Nachschmierplan vorsehen |
Offshore / Unterwasserbereich | FKM + Labyrinth-/Schleuderscheiben-Kombination | Calciumsulfonat oder PFPE | Gehäuse mit Schutzart IP68 oder IP69K empfohlen |
Kompatibilität zwischen Dichtungsmaterial und Schmierstoff
Dieser Schritt wird leicht übersehen und kann bei falscher Auswahl teuer werden. Bestimmte Dichtungsmaterialien quellen auf oder werden durch spezifische Schmierstoffe angegriffen:
EPDM + erdölbasiertes Fett = nicht kompatibel. EPDM quillt in Kohlenwasserstoffumgebungen deutlich auf.
NBR + Phosphatesterflüssigkeiten = nicht kompatibel. NBR baut sich schnell ab.
PTFE ist mit nahezu allen Schmierstoffen kompatibel, erfordert jedoch eine sorgfältige Montage, damit der Dichtungskontakt erhalten bleibt.
Beim Wechsel des Schmierstofftyps im Zuge der Nachschmierung sollte vor dem Fortfahren stets die Verträglichkeit des neuen Fetts mit der vorhandenen Dichtung geprüft werden.
Das Mischen unverträglicher Fette kann ebenso schädlich sein wie der Einsatz eines grundsätzlich falschen Fetts.
Eine detaillierte Übersicht über Schmierstofftypen und die Chemie der Grundöle finden Sie in unserem Leitfaden zu Wälzlagerschmierstoffen.
Hinweis zu Dichtungstyp und Dichtungsmaterial
Dabei handelt es sich um zwei separate Entscheidungen, die mitunter gleichgesetzt werden.
Der Dichtungstyp (kontaktierend vs. berührungsfrei, abgedeckt vs. vollständig abgedichtet) bestimmt das physische Schutzniveau.
Das Dichtungsmaterial bestimmt die chemische und thermische Verträglichkeit.
Beide Entscheidungen müssen stimmen, damit das Lager zuverlässig arbeitet.
Wenn Sie die Auswahl des Dichtungstyps noch abwägen, hilft Ihnen unser Leitfaden zu Abgedeckten vs. abgedichteten Lagern erläutert die Abwägungen im Detail.
Kurz gesagt für raue Umgebungen: Deckscheiben sind selten ausreichend; in der Regel sind Dichtungen mit Kontakt oder mehrstufige Dichtungssysteme erforderlich.
Zusammenfassung
Edelstahl-Wälzlager sind für raue Umgebungen der richtige Ausgangspunkt – über die tatsächliche Lebensdauer entscheiden jedoch vor allem Abdichtung und Schmierung.
Die drei wichtigsten Entscheidungen:
Dichtungsmaterial: Wählen Sie es entsprechend Ihrer chemischen und thermischen Umgebung – nicht nur nach dem, was standardmäßig verfügbar ist. NBR ist in den meisten rauen Anwendungen keine geeignete Standardwahl.
Dichtungssystem: Einfache Dichtungen sind für milde Bedingungen ausreichend. Anspruchsvolle Umgebungen – etwa bei Hochdruckreinigung, Salzwasser oder abrasiven Medien – erfordern mehrstufige Ausführungen oder Dreilippendichtungen.
Schmierstoff: Entscheidend sind Auswaschbeständigkeit und Normkonformität. In Extremfällen – bei sehr aggressiven Chemikalien oder schwer zugänglichen Einbaulagen – sind Festschmierung oder PFPE-Schmierfette die richtige Lösung, nicht ein zähes konventionelles Fett.
Nur wenn alle drei Faktoren stimmen, lässt sich die Lagerlebensdauer von Monaten auf Jahre verlängern.
Wenn Sie unsicher sind, welche Kombination für Ihre Anwendung geeignet ist, kontaktieren Sie unser Engineering-Team– die Auslegung von Edelstahl-Lagern für raue Umgebungen gehört für uns zum Tagesgeschäft.
FAQ
Was macht ein Lager chemisch inert?
Ein wirklich chemisch inertes Lager ist ein System und kein einzelner Werkstoff. Jeder Bauteil muss den jeweils vorhandenen Medien standhalten: 316er Edelstahl oder Keramik für Laufbahn und Wälzkörper; PTFE, PEEK oder FFKM für Dichtungen und Käfig; sowie PFPE-Schmierstoff als Fett. Eine Edelstahl-Laufbahn mit Standard-NBR-Dichtung und mineralölbasiertem Fett ist nicht chemisch inert – Dichtung und Schmierstoff werden sich zersetzen, auch wenn der Stahl intakt bleibt. Prüfen Sie die Verträglichkeit daher immer Bauteil für Bauteil anhand Ihrer tatsächlichen Prozessmedien.
Welches Dichtungsmaterial eignet sich für Edelstahl-Lager in Reinigungsumgebungen am besten?
EPDM oder Viton (FKM) sind die erste Wahl. EPDM ist gegen heißes Wasser, Dampf und Reinigungsmittel sehr beständig und damit ideal für die Nassreinigung in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie.
Viton eignet sich für den Einsatz bei chemischer Belastung und hohen Temperaturen. Von NBR in Reinigungsumgebungen ist abzuraten – unter alkalischen Reinigern quillt das Material auf und baut sich ab.
Kann ich an einem 316er Edelstahl-Lager eine Standard-NBR-Dichtung verwenden?
Nur unter milden industriellen Bedingungen.
NBR ist für erdölbasierte Medien und mittlere Temperaturen (−30°C bis +100°C) geeignet, versagt jedoch unter CIP-Reinigung, bei stark alkalischen Chemikalien oder in Hydrauliksystemen mit Phosphatester-Füllmedien rasch.
In anspruchsvollen Umgebungen sollten Sie mindestens auf Viton oder EPDM umstellen.
Welches Schmierfett sollte ich für Edelstahl-Lager in der Lebensmittelverarbeitung verwenden?
Verwenden Sie ein NSF-H1-registriertes Schmierfett – dies ist dort gesetzlich erforderlich, wo ein unbeabsichtigter Lebensmittelkontakt möglich ist.
Wählen Sie Formulierungen mit Polyharnstoff- oder Calciumkomplex-Verdickern, um die Auswaschbeständigkeit zu verbessern.
Stellen Sie sicher, dass der Tropfpunkt für Heißreinigungsanwendungen über 200°C liegt.
Warum fallen Edelstahl-Lager in Nassreinigungsumgebungen trotz ordnungsgemäßer Abdichtung aus?
Die häufigste Ursache ist das Auswaschen des Schmierstoffs, nicht Korrosion.
Hochdruck-Wasserstrahlen verdrängen das Fett aus der Laufbahn, sodass es innerhalb weniger Stunden zu Metall-auf-Metall-Kontakt kommt.
Die Lösung besteht in einem auswaschbeständigen Schmierfett auf Polyharnstoff- oder Calciumkomplex-Basis in Kombination mit einer Dreilippendichtung mit Schutzart IP69K.
Wann sollte ich Festschmierung anstelle von Fett einsetzen?
Festschmierung ist sinnvoll, wenn eine Nachschmierung nur schwer oder gar nicht möglich ist oder wenn die Reinigungsintensität extrem hoch ist.
Dabei wird der Schmierstoff in einer Polymermatrix gebunden, aus der er nicht ausgewaschen werden kann.
Beachten Sie, dass diese Lösung Drehzahlgrenzen und einen begrenzten Ölvorrat aufweist – prüfen Sie daher vor der Auslegung die Eignung hinsichtlich Last und Drehzahl.
Ist eine PTFE-Dichtung mit allen Schmierstoffen kompatibel?
Ja, PTFE ist chemisch mit nahezu allen Schmierstoffen verträglich.
Da PTFE jedoch keine elastische Rückstellung besitzt, muss die Montage sehr präzise erfolgen, um einen zuverlässigen Dichtkontakt sicherzustellen.
Es eignet sich besonders für aggressive chemische Umgebungen, Reinräume und Halbleiteranwendungen, bei denen chemische Inertheit Vorrang hat.
Welches Dichtungssystem wird für Edelstahl-Lageranwendungen im Marine- oder Offshore-Bereich empfohlen?
Als Standard gilt ein mehrstufiges System, das eine äußere Labyrinthdichtung oder einen Schleuderring mit einer inneren FKM-Kontaktdichtung kombiniert.
Der Schleuderring hält größere Mengen Salzwasser oder Schlämme ab; die Berührungsdichtung übernimmt die Abdichtung gegen verbleibende Verunreinigungen.
In Kombination mit Calcium-Sulfonat-Komplexfett erzielen Sie maximale Wasserbeständigkeit und Korrosionsschutz.






