Was ist eine Lagerbezeichnung?

Eine Lagerbezeichnung (auch als Lagercode bezeichnet) ist eine standardisierte alphanumerische Kennzeichnung, die die Lagerbauart, Abmessungen und technischen Merkmale festlegt. Diese Kennzeichnungen erfüllen eine wichtige Funktion bei der Lagerklassifizierung. Sie liefern auf einen Blick Informationen über typische Einsatzbereiche, Lebensdauer und Eignung für bestimmte Anwendungen.

Unabhängig von der Marke und selbst bei Sonderlagern können Sie bei Kenntnis der üblichen Bedeutung der Lagerbezeichnung das benötigte Lager eindeutig identifizieren.

Dabei ist zu beachten, dass viele Bezeichnungen zwar Industriestandards folgen, sich einzelne Kennungen jedoch je nach Marke unterscheiden können. Zur besseren Orientierung haben wir eine spezielle Lager-Querverweisliste zusammengestellt.

Im Folgenden stellen wir eine einheitlichere Betrachtung der Lagercodes vor, die sich an den weithin anerkannten Industriestandards orientiert.

Grundaufbau von Lagerbezeichnungen

Eine Lagerbezeichnung setzt sich in der Regel aus drei klar abgegrenzten Teilen zusammen: dem Präfix, der Grundbezeichnung und dem Suffix.

Als Beispiel dient die NTN-Codebezeichnung für ein Radialkugellager: 'TS2- 6206 x1 LLB N C3 P5/2AS':

'TS2' steht für das Präfix und bedeutet „bis 320°F (160°C) wärmestabilisiert“;

'6206' ist die Grundbezeichnung – die Ziffernkennzeichnung des Lagers;

'X1', 'LLB', 'C3', 'P5', '2AS' sind die Suffixe.

Grundaufbau einer Lagercode-Bezeichnung

Bei einigen Lagern erfolgt die Kennzeichnung ausschließlich über Zifferncodes, ohne Präfix oder Suffix, beispielsweise beim Lager „6206“.

Einige Lager verfügen nur über Suffixe, beispielsweise „6206 LLB C3 P5“.

Bestandteile der Lagerbezeichnung

Präfixe

Präfixe kennzeichnen in erster Linie bestimmte Lagermerkmale und dienen zugleich zur Identifikation verschiedener Lagervarianten. Als Beispiel sei hier das NTN-Präfix genannt.

Im Hinblick auf die Temperaturbeständigkeit:

Präfix

Bedeutung

Kein Präfix

Wärmebeständig bis 250°F (120°C)

TS2

Wärmebeständig bis 320°F (160°C)

TS3

Wärmebeständig bis 390°F (200°C)

TS4

Wärmebeständig bis 480°F (250°C)

5S

Keramische Wälzkörper

7MC3

MEGAOHM® (Keramikbeschichtung)

Werkstoffbezogen:

Präfix

Bedeutung

Ohne Kennzeichen

Hochkohlenstoff-Chrom-Wälzlagerstahl (entspricht AISI E52100)

F

Martensitischer rostfreier Stahl (entspricht AISI 440C)

N

Berylliumkupfer

Bei SKF lauten die Präfixe der Rillenkugellager-Kennzeichnung beispielsweise:

Präfix

Bedeutung

D/W

D/W

ICOS-

Ölgedichtete Lagereinheit

W

Rostfreier Stahl, metrische Abmessungen

WBB1

Rostfreier Stahl, metrische Abmessungen,

nicht in Übereinstimmung mit

ISO-Abmessungsreihen

Ziffernkennzeichnung des Lagers

Kennzeichnung der ersten Ziffer der Lagernummer

Die erste Ziffer in Lagerbezeichnungen besitzt eine hohe Aussagekraft, da sie häufig den Lagertyp kennzeichnet. Sie ist maßgeblich für die Identifikation der grundlegenden Lagerbauart.

Zum Beispiel steht bei „6206“ die erste Ziffer „6“ für einreihiges Rillenkugellager.

Kennzeichnung der ersten Ziffer der Lagernummer

Die folgende Tabelle zeigt verschiedene Lagerarten mit den zugehörigen Typencodes.

Typencode

Lagerart

1

Selbstausrichtendes Kugellager

2

Pendelrollenlager

3

Zweireihiges Schrägkugellager

4

Zweireihiges Kugellager

5

Axialkugellager

6

Einreihiges Rillenkugellager

7

Einreihiges Schrägkugellager

8

Filzdichtungslager

32/T

Kegelrollenlager

R

Zoll-Lager

N

Zylinderrollenlager

NN

Zweireihiges Rollenlager

NA

Nadellager

BK

Nadellager mit geschlossenem Ende (Tiefziehbecher)

HK

Nadellager mit offenen Enden (Tiefziehbecher)

C

CARB Toroidalrollenlager

K

Nadel- und Käfig-Schrägkronen-Axiallager

QJ

Vierpunkt-Kugellager

Kennzeichnung der zweiten Ziffer des Lagers

Die zweite Ziffer in der Lagerbezeichnung kennzeichnet in der Regel die Lagerreihe. Sie gibt Aufschluss über die Tragfähigkeit des Lagers; bestimmte Zahlen stehen dabei für leichte, mittlere oder schwere Reihen. Damit liefert diese Ziffer wertvolle Hinweise darauf, wie gut das Lager unterschiedliche Belastungsbedingungen aufnehmen kann.

Im Beispiel „6206“ steht die zweite Ziffer „2“ für „leicht“.

Kennzeichnung der zweiten Ziffer des Lagers

Die folgende Tabelle zeigt die verschiedenen Lagerreihen mit den jeweils zugehörigen numerischen Codes.

Reihencode

Beschreibung der Reihe

0

Extra leicht

1

Axiallager, extra leicht

2

Leicht

3

Mittel

4

Schwer

8

Extra dünnwandig

9

Sehr dünnwandig

Identifikation des Lagers über die dritte und vierte Ziffer

Die dritte und vierte Ziffer in der Lagerbezeichnung sind von großer Bedeutung, da sie in der Regel den Innendurchmesser (ID) des Lagers in Millimetern angeben. Sie liefern entscheidende Informationen über die Passung des Lagers auf der Welle, auf der es montiert wird.

Bitte beachten Sie die folgende Tabelle.

Code

Bohrungsmaß

00

10 mm

01

12 mm

02

15 mm

03

17 mm

04

20 mm (4×5 mm)

05

25 mm (5×5 mm)

06

30 mm (6×5 mm)

darüber hinaus

Darüber hinaus => Multiplikation mit 500 mm

Die Bohrungskennzahl in Wälzlagerbezeichnungen reicht von 0 bis 3 und steht für 10 bis 17 mm.

Bei Kennzahlen über „03“ ergibt sich die Bohrung aus dem Fünffachen des durch die dritte und vierte Ziffer der Wälzlagerbezeichnung angegebenen Werts.

Zum Beispiel entspricht bei „6206“ die „06“ der Bohrungskennzahl; daraus ergibt sich eine Lagerbohrung von 6×5=30 mm.

Identifikation des Lagers über die dritte und vierte Ziffer

Fehlt in der Wälzlagerbezeichnung die vierte Ziffer, steht die dritte Ziffer für die Bohrungskennzahl.

Bei einer Lagerbezeichnung wie „234“ bezeichnet beispielsweise die Ziffer „4“ – entsprechend 4 mm – die Bohrungskennzahl.

Zusatzkennzeichen

Zusatzkennzeichen kennzeichnen unterschiedliche Ausführungen oder Varianten, die vom ursprünglichen oder aktuellen Grunddesign abweichen. Beispielsweise Abgedichtete und geschützte Lager verfügen über unterschiedliche Zusatzkennzeichen.

Bei „6206 LLB“ steht „LLB“ für ein Lager mit berührungslosen Dichtungen aus Gummi.

ein Beispiel für ein Zusatzkennzeichen

Die folgende Tabelle zeigt einige gängige Zusatzkennzeichen für Dichtungen oder Schutzscheiben bei Lagern.

Zusatzkennzeichen

Beschreibung

RS

mit Gummidichtung auf einer Seite, gegenüberliegende Seite offen

2 RS

mit Gummidichtung auf beiden Seiten

Z

mit Metallschutzscheibe auf einer Seite, gegenüberliegende Seite offen

2 Z / ZZ

mit Metallschutzscheiben auf beiden Seiten

V

Berührungslose Dichtung auf einer Seite

VV

Berührungslose Dichtung beidseitig

DDU

Kontakt­dichtungen beidseitig

Je nach Marke werden unterschiedliche erweiterte Suffixe verwendet.

Für NTN entnehmen Sie die Angaben bitte der nachstehenden Tabelle.

Zusatzkennzeichen

Beschreibung

ZA, ZZA

Abnehmbare Stahlschutzscheibe(n)

ZA1, ZZA1

Abnehmbare Edelstahlschutzscheibe(n)

Z1, ZZ1

Edelstahlschutzscheibe(n)

LB, LLB

Berührungslose Gummidichtung(en)

LU, LLU

Kontakt-Gummidichtung(en)

SA, SSA

Berührungslose Nylondichtung(en)

Für SKF siehe die folgende Tabelle.

Zusatzkennzeichen

Beschreibung

-RS1, -2RS1

Kontakt­dichtung aus NBR, ein- oder beidseitig

-RS2, -2RS2

Berührungsdichtung aus FKM, einseitig oder beidseitig

-RSH, -2RSH

Kontakt­dichtung aus NBR, ein- oder beidseitig

-RSH2, -2RSH2

Berührungsdichtung aus FKM, einseitig oder beidseitig

-RSL, -2RSL

Reibungsarme Dichtung aus NBR, einseitig oder beidseitig

-RST, -2RST

Reibungsarme Dichtung aus NBR, einseitig oder beidseitig

-RZ, -2RZ

Berührungslose Dichtung aus NBR, einseitig oder beidseitig

-ZNBR

Deckscheibe einseitig, Sicherungsringnut im Außenring, mit Sicherungsring auf derselben Seite wie die Deckscheibe

-ZNR

Deckscheibe einseitig, Sicherungsringnut im Außenring, mit Sicherungsring auf der der Deckscheibe gegenüberliegenden Seite

-ZZNR

Deckscheiben beidseitig, Sicherungsringnut im Außenring, mit Sicherungsring

-ZZS

Deckscheiben beidseitig, durch einen Sicherungsring gehalten

Neben Dichtungen und Deckscheiben gibt es weitere Zusatzkennzeichen, etwa für Käfigausführung, Werkstoffe, Wärmebehandlung, Genauigkeit, Lagerluft, Vorspannung, Laufruhe, Stabilisierung, Schmierung sowie weitere Sonderausführungen.

Hinweise zum Entschlüsseln der Bedeutung von Lagerbezeichnungen

  • Nutzen Sie verfügbare Ressourcen: Herstellerhandbücher und Online-Tools unterstützen bei der Identifikation verschiedener Lagertypen.

  • Struktur verstehen: Die Bedeutung von Vorsetzzeichen, der Grundbezeichnung und Suffixen erfassen.

  • Keine Annahmen treffen: Wälzlagerbezeichnungen herstellerübergreifend prüfen und nicht von identischen Ausführungen ausgehen.

  • Fehler prüfen: Auf Tippfehler achten, da sie die Lagerkennzeichnung verändern können.

  • Bei Unklarheiten nachfragen: Wenden Sie sich an Fachleute, wenn Sie sich bei einer Lagerbezeichnung unsicher sind.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was bedeuten Lagerbezeichnungen?

Lagerbezeichnungen sind standardisierte Kenncodes, die die Bauart, Abmessungen und spezielle Ausführungen kennzeichnen, etwa Dichtungen oder das interne Spiel. So wählen Sie für Ihre Maschine zuverlässig das passende Ersatzlager aus.

Wie liest man Lagerbezeichnungen?

Um eine Lagerbezeichnung zu lesen, gliedern Sie sie in drei Abschnitte: die Präfix (Werkstoff/Sonderausführung), die Grundreihe (Bauart und Größe) sowie die Zusatzkennzeichen (Dichtungen, Schutzbleche oder internes Spiel).

Was ist eine Handelsbezeichnung für Lager?

Eine Handelsbezeichnung für Lager ist ein branchenweit genutzter Standardcode der von allen Herstellern verwendet wird. Er ermöglicht den Abgleich und den Austausch eines Lagers einer Marke (z. B. SKF) gegen ein gleichwertiges Lager einer anderen Marke (z. B. LILY Bearing).

Wie ist eine Lagerteilenummer aufgebaut?

Dabei wird jede einzelne Ziffer wie folgt entschlüsselt: Die erste Ziffer steht für die Lagerbauart, die zweite kennzeichnet die Baureihe (Breite/Durchmesser), und die letzten beiden geben in der Regel die Bohrungsgröße in Millimetern an.

Was bedeutet Lageridentifikation?

Die Lageridentifikation umfasst die Ermittlung von Lagerdaten anhand physischer Maße (Bohrung × Außendurchmesser × Breite) und sichtbarer Kennzeichnungen, um die Lagerspezifikationen zu überprüfen vor der Montage zu bestätigen und mechanische Ausfälle zu vermeiden.

Wenn Sie weiterhin unsicher sind, sehen Sie in unserer Lagergrößentabelle nach oder kontaktieren Sie uns. Wenn Ihre Anwendung eine nicht standardisierte Ausführung erfordert, finden Sie in unserem Leitfaden zu der Spezifikation eines kundenspezifischen Lagers für OEM-Anwendungen den vollständigen Prozess von der Zeichnung bis zur Produktion.