Die Passivierung von Edelstahllagern ist ein entscheidender Prozess, der die Effizienz, Betriebssicherheit und Nachhaltigkeit zahlreicher industrieller Anwendungen beeinflusst und damit zu einem unverzichtbaren Verfahren in der modernen Fertigung und Konstruktion wird.
In diesem Beitrag gehen wir detaillierter auf die Passivierung, ihre einzelnen Schritte und ihre Bedeutung für die Leistungsfähigkeit von Edelstahllagern ein.

Warum sollten Edelstahllager passiviert werden?
Edelstahllager verfügen konstruktionsbedingt über korrosionshemmende Eigenschaften, die vor allem auf ihren hohen Gehalt an Chrom, Nickel und weiteren Legierungselementen zurückzuführen sind.
Diese Elemente oxidieren und bilden eine Passivschicht, die als natürliche Barriere gegen Rost wirkt.
Dabei ist jedoch zu beachten, dass Edelstahllager zwar korrosionsbeständig sind, aber nicht vollständig rostfrei.
Die natürliche Passivschicht auf Edelstahllagern ist lediglich 1 bis 3 Nanometer dick und bietet nur einen begrenzten Schutz.
Dennoch kann diese Oxidschicht durch Schweißen, Kratzer und Montageeinflüsse beschädigt werden.
Bei einer Beschädigung können schädliche Eisenpartikel oder Ionen an die Oberfläche gelangen und die Rostbildung beschleunigen, insbesondere in anspruchsvollen Anwendungen wie Küstenregionen, der Lebensmittelverarbeitung oder Chemieanlagen.
Was versteht man unter der Passivierung von Edelstahllagern?
Die Passivierung ist ein nicht-elektrolytisches Verfahren, das nach der Fertigung auf Edelstahllager angewendet wird, um ihre Beständigkeit gegen Korrosion und Rost zu erhöhen.
Die Zusammensetzung von Edelstahl umfasst in der Regel Eisen, Chrom sowie weitere Nichteisenmetalle; sie variiert je nach Legierung.
Da für die Rostbildung Eisen erforderlich ist, führt die Entfernung von Eisenatomen an der Oberfläche dazu, dass Chrom in den Vordergrund tritt, das von Natur aus inert ist.
Durch diese Chromanreicherung entsteht eine robuste, reaktionsarme Passivschicht, die die Rostbildung deutlich hemmt.
Nach der Passivierung von Edelstahllagern bildet sich auf der Oberfläche typischerweise ein dichter Passivfilm mit einer Dicke von 1 bis 10 Nanometern.

Das Prinzip der Edelstahlpassivierung
Der Passivierungsprozess von Lagern aus rostfreiem Stahl
Die Passivierung ist eine entscheidende Nachbehandlung für Lager aus rostfreiem Stahl, die deren Korrosionsbeständigkeit und Standzeit erhöht.
Dieser Prozess umfasst mehrere wesentliche Schritte:

Passivierungsprozess von Lager aus rostfreiem Stahl
Vorreinigung
Lager aus rostfreiem Stahl werden in eine Reinigungsflüssigkeit eingetaucht, häufig eine alkalische Lösung oder einen lösemittelbasierten Reiniger, um Rückstände zu lösen und auszuwaschen.
Zur Entfernung hartnäckiger Partikel kann auch eine Ultraschallreinigung eingesetzt werden.
Erstes Spülen
Um chemische Reaktionen mit der Passivierungslösung zu vermeiden, werden die Lager mit deionisiertem oder destilliertem Wasser gespült.
Dieser Schritt kann mehrmals wiederholt werden, um eine gründliche Spülung sicherzustellen.
Säurebad
Lager aus rostfreiem Stahl werden in eine Säurelösung eingetaucht.
Als Passivierungsmittel werden am häufigsten Zitronensäure oder Salpetersäure eingesetzt.
Eintauchdauer, Säurekonzentration und Temperatur werden in Abhängigkeit von der Edelstahlsorte und der vorgesehenen Anwendung präzise eingestellt.
Ziel dieses Schritts ist es, freies Eisen von der Lageroberfläche aus rostfreiem Stahl zu entfernen, da es potenzielle Korrosionsansatzstellen bildet.
Durch die Entfernung des freien Eisens wird die natürliche Korrosionsbeständigkeit von rostfreiem Stahl verbessert.
Zwischenspülen
Verwenden Sie deionisiertes oder destilliertes Wasser, um vor dem Auftragen des Mittels Säurerückstände zu entfernen.
Komplexbildner
Nach einer erneuten Spülung werden die Edelstahllager mit dem Komplexbildner behandelt, der die Bildung einer Schutzschicht auf der Lageroberfläche unterstützt und den Korrosionsschutz zusätzlich verbessert.
Spülung nach der Mittelbehandlung
Verwenden Sie deionisiertes oder destilliertes Wasser, um überschüssiges Mittel abzuspülen.
Neutralisation (bei Verwendung von Salpetersäure)
Nach der Passivierung mit Salpetersäure muss die Säure neutralisiert werden, um ihre Wirkung zu stoppen und die Sicherheit zu gewährleisten.
Edelstahllager werden in ein Neutralisationsbad eingetaucht, üblicherweise in eine Natriumhydrogencarbonat-Lösung (Natronlösung).
Endspülung
Damit etwaige Säurerückstände oder Neutralisationsmittel vollständig entfernt werden.
Die Edelstahllager werden erneut mit deionisiertem oder destilliertem Wasser gespült, um alle chemischen Rückstände zu entfernen.
Trocknung
Um Wasserflecken zu vermeiden, die potenzielle Korrosionsherde darstellen können, werden Edelstahllager mit Warmluftgebläsen getrocknet oder in einen Ofen mit geregelter Temperaturführung gegeben.
Prüfung und Zertifizierung
Zweck: Die Wirksamkeit des Passivierungsprozesses überprüfen und die Konformität mit den Industriestandards sicherstellen.
Methode: Es können verschiedene Prüfungen eingesetzt werden:
Wasserimmersionstest: Zur Prüfung auf Rostbildung oder Verfärbungen.
Salzsprühnebeltest: Die Lager werden einem salzhaltigen Nebel ausgesetzt, um ihre Korrosionsbeständigkeit zu bewerten.
Kupfersulfat-Test: Hauptsächlich für Edelstähle der 300er-Reihe verwendet, um freies Eisen nachzuweisen.
Nach erfolgreich bestandenen Prüfungen werden die Lager gemäß Industriestandards wie ASTM A967, AMS 2700 oder anderen anwendbaren Normen zertifiziert.
Verpackung und Lagerung
Damit die Lager nach der Passivierung frei von Verunreinigungen bleiben, werden Edelstahllager in korrosionsbeständigen Verpackungsmaterialien verpackt, häufig mit Trockenmitteln, um sie trocken und einsatz- bzw. versandbereit zu halten.
Die vorstehenden Schritte vermitteln zwar einen detaillierten Überblick über den Passivierungsprozess, jedoch ist zu beachten, dass die konkreten Ausführungen je nach Edelstahlgüte, Einsatzbereich und den einzuhaltenden Industriestandards variieren können.
Fallstudie: Stunden im Salzsprühnebeltest bei Edelstahllagern
Diese Fallstudie beleuchtet den deutlichen Einfluss der Passivierung auf die Korrosionsbeständigkeit von Edelstahllagern.
Die 440-Edelstahllager von LILY, die Gegenstand dieser Untersuchung sind, liefern ein anschauliches Beispiel. Ohne Behandlung hielten diese Lager im Salzsprühnebeltest zunächst nur 24 Stunden stand. Nach der Passivierung verbesserte sich ihre Beständigkeit gegenüber solchen korrosiven Bedingungen jedoch deutlich, sodass die Lager nun in demselben Test bis zu 168 Stunden widerstehen.
Abb. 3 Vergleich von nicht passivierten und passivierten Edelstahllagern nach einem 168-stündigen Salzsprühnebeltest
Dieser deutliche Unterschied zeigt, wie die Passivierung die Lebensdauer und Zuverlässigkeit von Edelstahllagern in korrosiven Umgebungen erheblich erhöhen kann.
Tatsächlich gibt es für die Dauer des Salzsprühnebeltests nicht nur einen einzigen Standard. Unterschiedliche Kunden stellen unterschiedliche Anforderungen, etwa an 48, 72, 96, 120, 168 Stunden Salzsprühnebeltest und so weiter. Die konkrete Prüfzeit wird anhand der tatsächlichen Einsatzbedingungen festgelegt.
Fazit
Für Branchen, die auf die lange Lebensdauer und Zuverlässigkeit von Edelstahllagern angewiesen sind, bietet der Passivierungsprozess einen zusätzlichen Schutz gegen anspruchsvolle Umgebungsbedingungen.






