Was sind Pendelrollenlager?

Pendelrollenlager (SRBs) sind eine Bauart von Wälzlagern, die speziell für hohe Radiallasten, mittlere Axiallasten und – besonders wichtig – Winkelabweichungen zwischen Welle und Gehäuse ausgelegt sind. Sie gehören zu den robustesten verfügbaren Lagerbauarten und sind in schweren Industriemaschinen unverzichtbar.

Das prägende Merkmal eines Pendelrollenlagers sind die zweireihigen, tonnenförmigen Wälzkörper, die in einer gemeinsamen sphärischen Außenring-Laufbahn laufen. Diese Geometrie ermöglicht es dem Lager, Wellendurchbiegungen und Montageungenauigkeiten automatisch auszugleichen, ohne Leistung oder Lebensdauer zu beeinträchtigen.

Wesentliche Definition: Ein Pendelrollenlager ist ein selbstausrichtendes zweireihiges Wälzlager mit tonnenförmigen Wälzkörpern und sphärischer Außenring-Laufbahn, das Winkelabweichungen typischerweise bis zu 1–3° aufnehmen kann.

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Konstruktion und Aufbau von Pendelrollenlagern

Für Ingenieure und Instandhaltungsfachkräfte ist das Verständnis des inneren Aufbaus eines Pendelrollenlagers von zentraler Bedeutung. Jedes Bauteil ist präzisionsgefertigt, damit es zu der hohen Tragfähigkeit und Schiefstellungstoleranz des Lagers beiträgt.

Aufbau von Pendelrollenlagern

Wesentliche Bauteile im Überblick

Bauteil

Werkstoff

Funktion

Konstruktives Merkmal

Außenring

Durchgehärteter Wälzlagerstahl

Nimmt die sphärische Laufbahn auf; ermöglicht Selbstausrichtung

Konkave sphärische Laufbahnoberfläche

Innenring

Durchgehärteter Wälzlagerstahl

Wird auf der Welle montiert; überträgt die Last auf die Wälzkörper

Zwei geneigte Laufbahnen; kann mit Kegelbohrung ausgeführt sein

Trommelrollen

hochlegierter Chromstahl

Wälzkörper zur Übertragung von Radial- und Axiallasten

symmetrisches oder asymmetrisches Trommelprofil

Käfig / Halter

Stahl, Messing oder Kunststoff

Sorgt für gleichmäßigen Rollenabstand und reduziert die Reibung

fensterartiger Käfig, Stanzstahl oder bearbeitetes Messing

Bohrung

Wellenanschluss; zylindrisch oder kegelisch

Kegelbohrung (1:12 oder 1:30) zur Montage mit Spannhülse

Dichtungen / Deckscheiben

Gummi (NBR/FKM) oder Stahl

Hält das Schmiermittel zurück und schützt vor Verunreinigungen

Optional; bei abgedichteten Ausführungen (W33, E, CC)

Funktionsweise von Pendelrollenlagern

Wenn sich die Welle dreht, rollen die Rollen zwischen den Laufbahnen des Innen- und Außenrings.

Anstelle des Punktkontakts wie bei Kugellagern erzeugen Pendelrollenlager einen Linienkontakt.

Diese größere Kontaktfläche verteilt die Lasten gleichmäßiger.

Gleichzeitig ermöglicht die sphärische Außenring-Laufbahn eine geringe Schwenkbewegung des Lagers, ohne die Leistungsfähigkeit zu beeinträchtigen.

Dadurch kann das Lager auch dann weiter betrieben werden, wenn:

Wellen sich unter hohen Lasten durchbiegen

die Gehäuseausrichtung nicht exakt ist

Montagefehler auftreten

thermische Ausdehnung die Ausrichtung verändert

Damit gehören Pendelrollenlager zu den robustesten und toleranzfähigsten Lagerbauarten.

Wesentliche Merkmale von Pendelrollenlagern

Hohe radiale Tragfähigkeit

Ihre zwei Rollenreihen sorgen für eine außergewöhnlich hohe radiale Tragfähigkeit.

Sie werden häufig in schwer belasteten Industrieanlagen eingesetzt, die unter Dauerlast betrieben werden.

Selbstausrichtungsfähigkeit

Diese Lager gleichen je nach Baureihe und Herstellerspezifikation in der Regel Winkelfehlausrichtungen von bis zu etwa 0,5°–2° aus.

Dadurch werden Kantenpressungen und vorzeitiger Verschleiß deutlich reduziert.

Axiale Tragfähigkeit

Obwohl sie primär für radiale Lasten ausgelegt sind, können Pendelrollenlager auch axiale Lasten in beide Richtungen aufnehmen.

In vielen Anwendungen entfällt damit der Bedarf an separaten Axiallagern.

Lange Gebrauchsdauer

Eine sachgerechte Schmierung und Montage ermöglicht diesen Lagern eine lange Betriebsdauer, selbst in staubigen, schwingungsintensiven oder stoßbelasteten Umgebungen.

Beständigkeit gegen Stoßbelastungen

Die großen Wälzkörper nehmen plötzliche Stoßbelastungen deutlich besser auf als Kugellager.

Bauarten von Pendelrollenlagern

Im Laufe jahrzehntelanger industrieller Anwendung wurden zahlreiche Bauarten von Pendelrollenlagern entwickelt, um spezifische Einsatzanforderungen zu erfüllen. Die wesentlichen Unterschiede liegen in der Rollen­geometrie, der Käfigausführung und der Bohrungsgeometrie.

Bauart / Bezeichnung

Wesentliche Merkmale

Geeignet für

Gängige Zusatzbezeichnungen

Symmetrische Rolle (C-Bauart)

Gleich lange Rollenhälften; Führung über den Mittelbund des Innenrings

Allgemeine Industrieanwendungen; mittlere Drehzahlen

CC, C3, C4

Asymmetrische Rolle (E-Bauart)

Größere, optimierte Rollen; höhere Tragfähigkeit

Hohe Belastungen; Bergbau; anspruchsvolle Einsatzbedingungen

E, E1, MB, EB

Zylindrische Bohrung

Standardmäßige zylindrische Bohrung

Auf die Welle gepresst oder mit Übermaßpassung montiert

Standardausführung (ohne Zusatzbezeichnung)

Kegelige Bohrung (1:12)

Bohrung mit 1:12-Kegel

Montage mit Spann- oder Abziehhülse

K

Kegelige Bohrung (1:30)

Bohrung mit 1:30-Kegel

Anwendungen mit großer Bohrung; Welle ≥200 mm

K30

Abgedichtete Ausführung (W33)

Ölnut und Schmierlöcher im Außenring; vorgeschmiert

Nachschmierung über das Gehäuse; Lebensmittelverarbeitung

W33, 2CS2

Gängige Pendelrollenlager-Ausführungen

Vorteile und Grenzen

✅ Vorteile

  • Selbstausrichtung bis zu 3°
  • Extrem hohe radiale Tragfähigkeit
  • Nimmt Axiallasten in beide Richtungen auf
  • Lange Lebensdauer auch unter hohen Lasten
  • Toleriert Wellendurchbiegung und Gehäuseverzug
  • In sehr großen Abmessungen erhältlich (bis 1,5 m Bohrung)
  • Kegelige Bohrung ermöglicht die einfache Montage mit Spannhülsen
  • Geeignet für besonders anspruchsvolle Einsatzbedingungen
  • Im Betrieb nachschmierbar

⚠️ Grenzen

  • Nur eingeschränkt für sehr hohe Drehzahlen geeignet
  • Höhere Reibung als Zylinderrollenlager
  • Teurer als Kugellager
  • Nicht ideal für reine Axial- oder Momentenbelastungen
  • Die Käfigausführung begrenzt die zulässige Höchstdrehzahl (gegenüber vollrolligen Ausführungen)
  • Erfordert eine sorgfältige Kontrolle des Montagedrehmoments
  • Bei Fehlausrichtung höhere Wärmeentwicklung

Industrielle Einsatzbereiche von Pendelrollenlagern

Pendelrollenlager sind die Arbeitspferde der Schwerindustrie. Ihre besondere Kombination aus hoher Tragfähigkeit und Selbstausrichtung macht sie zur bevorzugten Lagerlösung überall dort, wo lange Wellen, hohe Lasten und keine dauerhaft perfekte Ausrichtung zu erwarten sind.

Industrielle Einsatzbereiche von Pendelrollenlagern

Branche

Typische Anwendung

Zentrale Anforderung

Vorteil des Pendelrollenlagers

Bergbau

Exzenterwelle des Backenbrechers

Extreme Stoßbelastungen, staubige Umgebung

Hohe dynamische Tragfähigkeit; Toleranz gegenüber Fehlausrichtung

Papier- und Zellstoffindustrie

Trockenwalze der Papiermaschine

Lange Wellen, thermische Ausdehnung, Dampfumgebung

Die Selbstausrichtung gleicht thermische Durchbiegungen aus

Stahlindustrie

Arbeitswalzenstützwalze im Walzwerk

Sehr hohe Walzkräfte, Kontamination durch Wasser und Zunder

Hohe radiale Tragfähigkeit; abgedichtete Ausführungen verfügbar

Windenergie

Hauptwelle (Direktantriebsturbine)

Variable Windlasten, Biegemomente, lange Wartungsintervalle

Aufnahme kombinierter Belastungen; in großen Bohrungsdurchmessern verfügbar

Zement / Zuschlagstoffe

Stützrolle des Ofenreifens im Drehrohrofen

Dauerbetrieb rund um die Uhr, hohe Temperaturen

Hohe statische Tragfähigkeit; Nachschmierbarkeit

Maritim und Offshore

Lager für Propellerwellen, Winden- und Trommelanwendungen

Korrosive Umgebung, hohes Drehmoment, Stoßbelastungen

Robuste Ausführung; Ausführungen in Edelstahl und mit Beschichtung

So wählen Sie das passende Pendelrollenlager aus

Die Auswahl des richtigen SRB ist ein ingenieurtechnischer Prozess mit mehreren Einflussgrößen. Ein ungeeignetes Lager zählt zu den häufigsten Ursachen vorzeitiger Ausfälle. Gehen Sie dabei systematisch in 6 Schritten vor:

1

Lastbedingungen festlegen

Berechnen Sie die Radialbelastung (Fr), die Axialbelastung (Fa) und die Stoßfaktoren. Ermitteln Sie die äquivalente dynamische Lagerbelastung P = X·Fr + Y·Fa.

2

Erforderliche Lebensdauer (L10h) festlegen

Bestimmen Sie die erforderliche Lagerlebensdauer in Betriebsstunden. Verwenden Sie die ISO-281-Formel: L10 = (C/P)ᵖ × (10⁶/60n).

3

Bohrungsdurchmesser und Baureihe auswählen

Passen Sie den Bohrungsdurchmesser an den Wellendurchmesser an. Wählen Sie die Baureihe (2, 3, 4) entsprechend dem erforderlichen Verhältnis von Tragfähigkeit zu Baugröße – Baureihe 4 für maximale Tragfähigkeit.

4

Drehzahlgrenze (ndm) prüfen

Stellen Sie sicher, dass die Betriebsgeschwindigkeit die Drehzahlgrenze des Lagers nicht überschreitet. E-Ausführungen verfügen in der Regel über höhere zulässige Drehzahlen als C-Ausführungen.

5

Bohrungsart und Montageverfahren wählen

Wählen Sie eine zylindrische Bohrung für den direkten Sitz auf der Welle oder eine Kegelbohrung (Kennzeichen K) mit Spannhülsen, wenn eine einfachere Montage auf langen Wellen erforderlich ist.

6

Lagerspielklasse und Käfigwerkstoff festlegen

Für die meisten industriellen Anwendungen ist Lagerspiel C3 geeignet. Wählen Sie einen Messingkäfig (M) für hohe Temperaturen; ein Polymerkäfig eignet sich für einen geräuscharmen Betrieb.

Parameter

Standardauswahl

Wann eine höhere Ausführung erforderlich ist

Lagerspielgruppe

C3 (am häufigsten)

C4 bei sehr hohen Temperaturen oder Presssitzen

Käfigausführung

Stanzstahl (Standard)

Gedrehter Messingkäfig (Kennzeichen M) für hohe Drehzahlen / hohe Temperaturen

Bohrungsart

Zylindrische Bohrung

Kegelbohrung K für lange Wellen oder den Serviceeinsatz vor Ort

Bauart

E-Ausführung (erhöhte Tragfähigkeit)

C-Ausführung für kostensensible Anwendungen und mittlere Belastungen

Abdichtung

Offene Ausführung (Nachschmierung über das Gehäuse)

Abgedichtet (2CS2) für schwer zugängliche oder lebensmitteltaugliche Anwendungen

Schmierung

Fett (am häufigsten)

Ölumlaufschmierung für hohe Drehzahlen oder hohe Temperaturen

Wartung und Schmierung von Pendelrollenlagern

Eine sachgerechte Wartung ist der wichtigste Faktor, um bei Pendelrollenlagern die volle Lebensdauer gemäß Auslegung zu erreichen. Branchenstatistiken zeigen, dass mehr als 70 % der vorzeitigen Lagerausfälle auf falsche Schmierung, Verunreinigungen oder Montagefehler zurückzuführen sind.

Schmierempfehlungen

Betriebszustand

Empfohlenes Schmiermittel

Nachschmierintervall

Hinweise

Allgemeine Industrieanwendungen (bis 80 °C)

Lithiumkomplexfett NLGI 2

3–6 Monate

Häufigster Anwendungsfall

Hohe Temperatur (80–150 °C)

Polyharnstofffett oder Calcium-Sulfonat-Fett

Monatlich bis vierteljährlich

Das Mischen unterschiedlicher Fetttypen vermeiden

Hohe Drehzahl (ndm > 200.000)

Umlauföl ISO VG 46–100

Gemäß Anlagenplan

Öltemperatur kontinuierlich überwachen

Feucht / verunreinigt

Wasserbeständiges EP-Fett

Alle 2–4 Wochen

Im Gehäuse Labyrinthdichtungen einsetzen

Niedrige Temperatur (unter −20 °C)

Fett auf synthetischem Grundöl, NLGI 1

Vierteljährlich

Sicherstellen, dass das Fett beim Anlauf förderbar ist

⚠️ Wichtiger Montagehinweis: Bei der Montage von Pendelrollenlagern mit Kegelbohrung und Spannhülsen ist stets das empfohlene Anzugswegverfahren (Δa) oder das hydraulische Verfahren anzuwenden, um die korrekte Verringerung des internen Spiels sicherzustellen. Ein zu starkes Anziehen zählt zu den Hauptursachen für vorzeitige Ermüdungsschäden.

Pendelrollenlager im Vergleich zu anderen Lagerbauarten

Bei der Auswahl zwischen verschiedenen Lagerbauarten ist ein klares Verständnis dafür erforderlich, wie sich die einzelnen Lösungen unter den spezifischen Anforderungen Ihrer Anwendung verhalten.

Merkmal

Pendelrollenlager

Zylinderrollenlager

Kegelrollenlager

Rillenkugellager

Radiale Tragfähigkeit

★★★★★

★★★★★

★★★★

★★

Axiale Tragfähigkeit

★★★

★ (eine Richtung)

★★★★★

★★★

Ausgleich von Fehlausrichtungen

★★★★★ (bis 3°)

★ (<0,04°)

★ (<0,04°)

★★★ (0,25°)

Drehzahlfähigkeit

★★★

★★★★★

★★★

★★★★★

Reibungsniveau

Mittel

Niedrig

Mittel bis hoch

Niedrig

Relativer Kostenaufwand

Mittel bis hoch

Mittel

Mittel

Niedrig

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

F: Welcher maximale Schiefstellungswinkel ist für ein Pendelrollenlager zulässig?

Die meisten Standard-Pendelrollenlager können je nach Lagergröße und Baureihe eine Winkelfehlstellung von bis zu 1° bis 3° aufnehmen. Ein Dauerbetrieb am maximalen Schiefstellungswert verkürzt die Gebrauchsdauer jedoch erheblich. Maßgebend sind die baureihenspezifischen Grenzwerte im Herstellerkatalog.

F: Was bedeutet der Suffix „E“ in den Teilenummern von Pendelrollenlagern?

Die Kennzeichnung „E“ (unter anderem bei SKF, FAG/Schaeffler und weiteren Herstellern verwendet) steht für eine optimierte Innenkonstruktion mit größeren, ausgelegten Pendelrollen und einer verbesserten Käfiggeometrie. Lager in E-Ausführung bieten höhere dynamische Tragzahlen – typischerweise 20–30 % über denen von Standardausführungen mit denselben Hauptabmessungen.

F: Fettschmierung oder Ölschmierung – was ist für Pendelrollenlager besser?

Fett ist für die große Mehrzahl industrieller Anwendungen die bevorzugte Schmierart, da es einfach anzuwenden ist, gute Dichtwirkung bietet und den Wartungsaufwand reduziert. Eine Ölschmierung im Umlauf- oder Tauchschmierverfahren wird empfohlen, wenn die Drehzahlen hoch sind (ndm > 150.000–200.000 mm/min), die Betriebstemperatur 120°C überschreitet oder eine gezielte Wärmeabfuhr aus dem Lager erforderlich ist.

F: Worin besteht der Unterschied zwischen dem Radialluftspiel C3 und C4?

Das Radialluftspiel C3 ist größer als die Standardgruppe CN und stellt die in industriellen Pendelrollenlagern am häufigsten eingesetzte Luftspielklasse dar, da es die durch Presssitzmontage und Wärmeausdehnung bedingte Verringerung des Lagerspiels ausgleicht. C4 weist ein noch größeres Radialluftspiel auf und wird für Anwendungen mit hohen Übermaßpassungen, deutlich erhöhten Betriebstemperaturen oder bei Lagern mit kegeliger Bohrung spezifiziert, die weiter auf steile Kegelzapfen aufgezogen werden.

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