Worin besteht der Unterschied zwischen einem Rillenkugellager und einem Schrägkugellager?
Ein Schrägkugellager kann deutlich höhere Axiallasten aufnehmen als ein Rillenkugellager, jedoch überwiegend in nur einer Richtung — die Laufbahnen sind mit einem Kontaktwinkel ausgeführt und nicht als symmetrische Nut. Ein Rillenkugellager bleibt die vielseitige und kostengünstigere Standardwahl, wenn vor allem Radiallasten auftreten und Axiallasten in beiden Richtungen wirken.
Warum diese Wahl für die Anwendung wichtiger ist, als viele Ingenieure annehmen
Rillenkugellager(DGBBs) undSchrägkugellager(ACBBs) sehen in der Zeichnung nahezu identisch aus.
Gleiche Bohrung, gleicher Außendurchmesser, bisweilen sogar dieselbe Breite.

Wer beide ohne genaue Prüfung gegeneinander austauscht, riskiert jedocheinen Einbruch der L10-Lebensdauer um 60–80 %— oder im schlimmsten Fall einen katastrophalen Fresser schon wenige Stunden nach dem Anlauf.
Dies ist keineswegs nur ein theoretisches Risiko.
NASA-Forschung zur Ermüdung von WälzlagernDie Analyse von mehr als 7.900 Lagern aus den Bauarten Rillenkugellager, Schrägkugellager und Rollenlager zeigte, dass als vermeidbar eingestufte Ausfälle — darunter Lastfehlanpassung und falsche Spezifikation — durchgängig einen erheblichen Anteil an Betriebsdauern unterhalb der Nennlebensdauer ausmachen.
Die Lösung ist einfach: Verstehen Sie, wofür die jeweilige Lagerbauart tatsächlich ausgelegt ist, und wählen Sie sie passend zu Ihren Lastverhältnissen aus.
Konstruktive Unterschiede: DGBB gegenüber ACBB
Um zu verstehen, warum sich diese Lager so unterschiedlich verhalten, ist eine Kennzahl entscheidend: der Kontaktwinkel.
Rillenkugellager
DGBBs verfügen über tiefe, symmetrische Laufbahnen sowohl im Innen- als auch im Außenring.
Der Kontakt zwischen Kugel und Laufbahn erfolgt unter Radiallast bei einem effektiven Winkel von etwa 5–8° und steigt unter kombinierter Belastung leicht an.

Diese symmetrische Geometrie ermöglicht es dem Lager, Axiallasten in beide Richtungen gleichzeitig aufzunehmen – ein entscheidender Vorteil, wenn die Richtung der Axialkraft nicht vorhersehbar ist.
Die Konstruktion ist von Natur aus reibungsarm.
Da die Kugelkontaktfläche klein ist und die Laufbahnen glatt sowie durchgehend ausgeführt sind, weisen Rillenkugellager einen sehr geringen Wälzwiderstand auf. Deshalb werden sie bevorzugt in Motoren, Lüftern und Haushaltsgeräten eingesetzt, bei denen Energieeffizienz entscheidend ist.

Schrägkugellager
ACBBs verwenden eineasymmetrische Außenringgeometrie– eine Schulter ist höher ausgeführt als die andere, wodurch die Last unter einem definierten Kontaktwinkel übertragen wird.

Übliche Kontaktwinkel sind15°, 25° und 40°. Je größer der Winkel, desto höher die Axiallastaufnahme – allerdings auf Kosten der maximalen Drehzahl.
Diese Asymmetrie hat eine wichtige Konsequenz: Ein einzelnes ACBB kann Axialkräfte nur in eine Richtung aufnehmen.
In der Praxis ist bei beidseitig auftretenden Axialkräften immer ein abgestimmtes Lagerpaar erforderlich – daran führt kein Weg vorbei.

Praxis-Tipp:
Bei der Prüfung unmontierter Lager betrachten Sie den Außenring von der Seite. Ein Rillenkugellager besitzt auf beiden Seiten der Kugellaufbahn zwei gleich hohe Schultern.
Ein Schrägkugellager weist eine hohe und eine niedrige Schulter auf – die hohe Seite ist die lastaufnehmende Seite und muss bei der Montage zur Quelle der Axiallast ausgerichtet werden.
Tragfähigkeit: Die Kennzahlen hinter der Auswahlentscheidung
Wenn Sie mit den Lastkonzepten von Wälzlagern noch nicht vertraut sind, finden Sie in unserem Leitfaden zuWälzlagerbelastungen verstehenvermittelt die Grundlagen. Für alle, die bereits mit dem Thema vertraut sind, folgt hier der Zahlenvergleich zwischen Rillenkugellagern und Schrägkugellagern:
Radiallast
Bei Anwendungen mit reiner Radialbelastung bieten Rillenkugellager innerhalb desselben Bauraums in der Regel eine etwas höhere Radialtragfähigkeit.
Die symmetrische Rillengeometrie ermöglicht eine höhere Kugelanzahl und eine größere Kontaktfläche — ein 6206-Rillenkugellager (Bohrung 30mm) erreicht eine dynamische radiale Tragzahl (C) von etwa 19.5 kN.
Ein vergleichbares 7206-Schrägkugellager mit 25° Berührungswinkel trägt radial rund 17.8 kN — also etwa 9% weniger.
Axiallast
Hier liegen Schrägkugellager deutlich vorn.
Ein 7206-Schrägkugellager mit 25° Berührungswinkel kann eine Axiallast von bis zu~8.5 kNdauerhaft aufnehmen.
Das entsprechende Rillenkugellager ist in der Regel auf etwa30–40% seiner dynamischen radialen Tragzahlin axialer Richtung begrenzt — und das nur bei niedrigen bis mittleren Drehzahlen.
Bei Anwendungen mit hohen Axialkräften — etwa Schrägverzahnungen, Kugelgewindetrieben oder schrägen Bearbeitungskräften — stoßen Rillenkugellager schlicht an ihre Belastungsgrenze.
Werden sie über ihre Axialgrenze hinaus belastet, steigen die Kugeln auf den Laufbahnrand auf; dadurch entstehen hohe Spannungen, erhöhte Temperaturen und ein beschleunigter Ermüdungsverschleiß.
Einen vertiefenden Vergleich dieser beiden Lastarten finden Sie in unserem Leitfaden zuRadial- und Axiallast. Eine detailliertere Betrachtung des Axiallastverhaltens finden Sie speziell inAxiallast von Wälzlagern verstehen.
Kombinierte Belastung
Treffen Radial- und Axialkräfte gleichzeitig auf, bewältigen ACBBs kombinierte Belastungen deutlich effizienter.
Lebensdauerberechnungen nach ISO 281berücksichtigen die äquivalente dynamische Belastung (P = X·Fr + Y·Fa).
Bei ACBBs ist derY-Faktor (Axiallastfaktor)wesentlich günstiger als bei Rillenkugellagern, sodass sich unter denselben kombinierten Belastungsbedingungen eine deutlich längere berechnete L10-Lebensdauer ergibt.
Wenn Sie nachvollziehen möchten, wie statische und dynamische Tragzahlen in diese Berechnungen einfließen, erläutert unser Beitrag zustatischer und dynamischer Belastung in Wälzlagerndies im Detail.
Vollständiger Vergleich auf einen Blick
Faktor | Rillenkugellager | Schrägkugellager |
|---|---|---|
Hauptbelastung | Radial + moderate Axiallast (in beiden Richtungen) | Kombinierte Radial- + hohe Axiallast (je Einheit eine Richtung) |
Kontaktwinkel | ca. 5–8° (wirksam) | 15°, 25° oder 40° (Standard) |
Drehzahlfähigkeit | Hoch — geringe Reibung, einfache Geometrie | Sehr hoch — optimiert für Drehzahl und Belastung |
Axiale Belastungsrichtung | In beide Richtungen (eingeschränkt) | Je Lager nur in eine Richtung; für beide Richtungen paarweise eingesetzt |
Montage | Einfach — Einzellager, keine spezielle Einbaulage erforderlich | Erfordert die korrekte Einbaulage; häufig paarweise verwendet (DB/DF/DT) |
Genauigkeitsklasse | P0 bis P6 | P4 bis P2 (Spindelqualität) |
Typische Anwendungen | Motoren, Pumpen, Lüfter, Förderanlagen, Haushaltsgeräte | Werkzeugmaschinenspindeln, Robotik, Getriebe, Luft- und Raumfahrt |
Relative Kosten | Geringer — breit verfügbar | Höher — engere Toleranzen, häufig als abgestimmte Satzlager erhältlich |
Geräusch / Vibration | Geeignet für leisen Einsatz im allgemeinen Betrieb | Bei korrekter Vorspannung gering; empfindlich gegenüber dem Einbauzustand |
Wahl des Kontaktwinkels – 15°, 25° oder 40°?
Wenn Sie sich für Schrägkugellager entschieden haben, ist die Wahl des Kontaktwinkels die nächste entscheidende Festlegung.

Viele Ingenieure wählen ohne nähere Prüfung pauschal 25°. Was die einzelnen Winkel tatsächlich bedeuten:
Kontaktwinkel 15°:Maximiert die Drehzahlgrenze. Geringere Axialtragfähigkeit, dafür kann das Lager mit höheren DN-Werten (Bohrungsdurchmesser × RPM) betrieben werden. Die beste Wahl für Hochgeschwindigkeitsspindeln über 15.000 RPM bei moderater Axiallast.
Kontaktwinkel 25°:Die universelle Ausführung. Ausgewogenes Verhältnis zwischen Drehzahlfestigkeit und Axialtragfähigkeit. Deckt den Großteil präziser Getriebe, Roboterachsen und mittelschneller Spindeln ab. Dies ist der am häufigsten verfügbare Winkel.
Kontaktwinkel 40°:Maximiert die Axialtragfähigkeit. Deutliche Einbußen bei der Drehzahl. Einsatz in Anwendungen mit hohen, dauerhaft wirkenden Axialkräften – etwa bestimmten Antrieben in der Luft- und Raumfahrt, hochbelasteten Kugelgewindetrieben und Wellen von Hydraulikpumpen.
Praxisregel:
Liegt die Anwendung über 12.000 RPM, sollten Sie mit 15° beginnen. Überschreitet die Axiallast bei mittlerer Drehzahl 50 % der Radiallast, wechseln Sie auf 25° oder 40°. Im Zweifel ist 25° die sichere Mitte.
Einen genaueren Blick darauf, wie Superpräzisionsausführungen diese Grenzen weiter verschieben, erhalten Sie in unserem Leitfaden zuden Vorteilen von Superpräzisions-Schrägkugellagern.
Einbaulagen für Schrägkugellager
Einzelne Schrägkugellager werden in Präzisionsanwendungen nur selten allein eingesetzt.
In der Praxis haben sich drei Paaranordnungen bewährt, die jeweils für unterschiedliche Lastprofile geeignet sind:
Rücken-an-Rücken-Anordnung (DB-Anordnung)
Die breiten Seiten der Außenringe sind einander zugewandt.
Dadurch entsteht ein größerer wirksamer Lastmittelpunkt, was der Anordnung eine hohe Momentensteifigkeit verleiht.
DB ist die am häufigsten eingesetzte Anordnung für Werkzeugmaschinenspindeln, da sie den durch Schnittkräfte verursachten Biegemomenten wirksam widersteht.
Bei der Auslegung einer Fräs- oder Schleifspindel ist DB in der Regel der naheliegende Ausgangspunkt.

Face-to-Face-Anordnung (DF-Anordnung)
Die schmalen Seiten der Außenringe sind einander zugewandt.
Die Kraftlinien laufen nach innen zusammen; dadurch ergeben sich ein kleinerer wirksamer Lastmittelpunkt und eine geringere Momentensteifigkeit als bei DB.
Der kleinere Lastmittelpunkt ist in einem bestimmten Anwendungsfall sogar vorteilhaft: DF verträgt eine Wellenschiefstellung besser als DB, da die Geometrie weniger empfindlich gegenüber Winkelfehlern zwischen Innen- und Außenring ist.
Damit ist diese Anordnung die bevorzugte Wahl für Fahrzeug- und Industriegetriebe mit längeren Wellen, bei denen sich eine über die gesamte Wellenlänge perfekte Gehäuseausrichtung nur schwer sicherstellen lässt.

Tandem-Anordnung (DT-Anordnung)
Beide Lager sind in die gleiche Richtung ausgerichtet.
Die axiale Tragfähigkeit verdoppelt sich in einer Richtung, die Anordnung bietet jedoch keinen Widerstand gegen Axialkräfte in der entgegengesetzten Richtung.
DT wird insbesondere dann eingesetzt, wenn die einseitige Axiallast die Tragfähigkeit eines einzelnen Lagers übersteigt – etwa bei hochbelasteten Kugelgewindetrieben an CNC-Portalen.
Anwendungsbeispiele aus verschiedenen Branchen finden Sie in unserem Beitrag zuden wichtigsten Einsatzbereichen von hochpräzisen Schrägkugellagern.

Wichtig:
DB- und DF-Anordnungen erfordern exakt aufeinander abgestimmte Lagersätze — paaren Sie daher nicht beliebig zwei Lager aus unterschiedlichen Fertigungschargen.
Hersteller liefern aufeinander abgestimmte Paare mit definierter Vorspannung. Der Einsatz nicht gematchter Lager führt zu ungleichmäßiger Lastverteilung und raschem Ermüden.
Drehzahl: Wo Rillenkugellager überraschen
Rillenkugellager sind bei hohen Drehzahlen tatsächlich konkurrenzfähig.
Ein 6206-Rillenkugellager (Bohrung 30 mm) hat eine Referenzdrehzahl von13.000 U/minbei Fettschmierung – ausreichend hoch für die meisten Motoren und Kompressoren.
Mit Ölschmierung und geeigneter Kühlung steigt dieser Wert weiter an.
ACBBs mit einem Berührungswinkel von 15° können diesen Wert übertreffen und erreichen Referenzdrehzahlen von über15.000–20.000 U/minin präzisen Spindelausführungen mit abgestimmten Lagersätzen.
Allerdings ist der Einstellaufwand höher: Die Vorspannung muss exakt kontrolliert werden.
Ist sie zu gering, gleiten die Kugeln bei hoher Drehzahl, was Wärme und Verschleiß verursacht; ist sie zu hoch, verkürzt sich die L10-Lebensdauer erheblich.
Die korrekte Vorspannung ist bei ACBBs wichtiger als jeder andere Montageparameter.
Kosten und praktische Verfügbarkeit
Das Budget spielt eine Rolle, und die Unterschiede fallen hier deutlich ins Gewicht.
Ein Standard-6206-Rillenkugellager eines renommierten Herstellers (NSK, SKF, FAG, NTN) kostet typischerweise30–60 % wenigerals ein vergleichbares 7206-ACBB derselben Genauigkeitsklasse.
Bei einer Maschine mit 40–60 Lagerstellen summiert sich dieser Unterschied schnell.
Neben dem Stückpreis sollten Sie die gesamten eingebauten Kosten berücksichtigen:
Rillenkugellager:Keine besondere Einbaulage erforderlich, und die Montage ist für die meisten Instandhaltungstechniker unkompliziert. Abgedichtete Ausführungen sind lebensdauerfüllend wartungsfrei, und Lager der 6200er-Serie sind nahezu überall verfügbar – selbst an abgelegenen Standorten.
Schrägkugellager:Erfordern eine exakte Einbaurichtung – wird ein Lager verkehrt herum eingebaut, fällt es unter Axiallast nahezu sofort aus. Abgestimmte Paare müssen zudem gemeinsam beschafft und zusammen ersetzt werden; wird ein Satz getrennt und nur ein Lager ausgetauscht, gehen die Vorspannungseinstellung und die Paarung vollständig verloren.
Welches Lager ist die richtige Wahl?
Wählen Sie ein Rillenkugellager, wenn:
die Radiallast die maßgebende Last ist.
die Axiallast gering bis mittel ist und in beide Richtungen auftreten kann.
eine einfache, wirtschaftliche Einzellagerung gewünscht ist.
Geräusch, Schwingungsverhalten oder Kostenempfindlichkeit wichtiger sind als maximale axiale Steifigkeit.
Wählen Sie ein Schrägkugellager, wenn:
die Axiallast einen wesentlichen Anteil der Auslegung ausmacht.
Radial- und Axiallasten in nennenswertem Umfang gleichzeitig auftreten.
eine höhere axiale Steifigkeit oder eine definierte, vorgespannten Lageranordnung erforderlich ist.
die Anwendung Werkzeugmaschinenspindeln, Getriebe, Robotik oder vergleichbare Präzisionsausrüstung umfasst.
Faustregel:überwiegend Radiallast → Rillenkugellager; erhebliche kombinierte Radial- und Axiallast → Schrägkugellager. Keines der beiden Lager sollte als vollständiger Ersatz für das andere betrachtet werden: In kosten- oder geräuschsensiblen allgemeinen Maschinen mit geringer bis mittlerer Axiallast bleibt das Rillenkugellager die wirtschaftlichere und leisere Wahl, und der Wechsel auf ein Schrägkugellager verursacht unnötige Kosten und zusätzliche Komplexität. Sobald die Axiallast einen wesentlichen Teil der Auslegung ausmacht oder hohe Steifigkeit und definierte Vorspannung bei hoher Drehzahl erforderlich sind, ist ein Rillenkugellager kein geeigneter Ersatz mehr.
Schnelle Entscheidungshilfe für die Anwendung
Ihre Anwendung | Empfohlenes Lager |
|---|---|
Allgemeiner Motor, Pumpe, Ventilator — vorwiegend Radialbelastung | Rillenkugellager |
Werkzeugmaschinenspindel — hohe Drehzahl und kombinierte Belastung | Schrägkugellager (paarweise, P4+) |
Hilfsmotor im Elektrofahrzeug — kompakt, mittlere Axialbelastung | Rillenkugellager |
Handgelenkgelenk eines Roboters — Präzision und axiale Schubkraft | Schrägkugellager (DB- oder DF-Paar) |
Förderrollen — Radialbelastung, kostengünstig | Rillenkugellager |
Getriebe in der Luft- und Raumfahrt — kombinierte Belastung, hohe Präzision | Schrägkugellager (abgestimmtes Satzlager, P2) |
HVAC-Ventilator — geräuscharm, Axiallast in beide Richtungen | Rillenkugellager |
Hochgeschwindigkeits-Schleifspindel (>15,000 RPM) | Schrägkugellager (15° Kontaktwinkel) |
Häufige Fehler von Ingenieuren
Der Einsatz von Rillenkugellagern an Schraubradwellen, ohne die Axiallast zu prüfen.Schrägverzahnungen erzeugen erhebliche Axialkräfte. Viele Ingenieure legen standardmäßig Rillenkugellager aus, berechnen nur die radiale Lebensdauer und übersehen die axiale Belastung vollständig. Prüfen Sie die äquivalente Belastung nach ISO 281 — möglicherweise ist ein Schrägkugellager erforderlich.
Unterschiedliche Kontaktwinkel von Schrägkugellagern in einem Paar kombinieren.Ein 25°- und ein 15°-Lager in einer DB-Anordnung führen zu ungleicher axialer Steifigkeit und einer nicht vorhersagbaren Vorspannungsverteilung. Verwenden Sie stets abgestimmte Sätze mit identischem Kontaktwinkel aus derselben Charge.
Ein einzelnes Schrägkugellager so zu montieren, dass es Axialkräfte in beide Richtungen aufnehmen soll.Ein einzelnes Schrägkugellager nimmt nur Axialkräfte in einer Richtung auf. Wird die Lastrichtung umgekehrt, läuft das Lager gegen die offene Schulter — die axiale Tragfähigkeit ist dann praktisch null.Die Ermüdungsstudien der NASA zu Wälzlagerkomponentenmachen unmissverständlich deutlich: Dieser Ausfallmechanismus lässt sich durch die richtige Auslegung vollständig vermeiden.
Die Vorspannung von Schrägkugellagern außer Acht lassen.Schrägkugellager benötigen eine definierte Vorspannung, damit sich die Last gleichmäßig über die Kugeln verteilt. Universell abgestimmte Lagersätze von Herstellern wie SKF oder NSK werden mit voreingestellter Vorspannung geliefert – nehmen Sie keine Änderungen vor, sofern Ihnen kein geeignetes Prüfverfahren zur Verfügung steht. Eine falsche Vorspannung zählt zu den häufigsten Ursachen für den vorzeitigen Ausfall von Schrägkugellagern.
Anzunehmen, dass das Schrägkugellager immer das „bessere“ Lager ist.Das ist nicht der Fall. Bei einem Standard-Elektromotor mit 3.000 RPM, bei dem die Axiallast Fa weniger als 20 % der Radiallast Fr beträgt, ist ein Rillenkugellager mit hoher Wahrscheinlichkeit völlig ausreichend – und es ist in Anschaffung, Lagerhaltung und Austausch deutlich kostengünstiger.
FAQ
Worin besteht der Unterschied zwischen Schrägkugellagern und Normallagern?
„Normallager“ meint fast immerStandard-Rillenkugellager– der am häufigsten eingesetzte Lagertyp, der überall dort verwendet wird, wo Radiallasten dominieren und Axiallasten gering bis mittel sind. Schrägkugellager unterscheiden sich dadurch, dass ihre geneigten Laufbahnen für deutlich höhere, vorwiegend einseitige Axiallasten sowie für erhebliche kombinierte Radial- und Axialbelastungen ausgelegt sind; dafür sind sie konstruktiv anspruchsvoller zu montieren und in der Regel teurer. Entscheiden Sie anhand der tatsächlich anliegenden Axiallast, der erforderlichen Drehzahl und der Genauigkeitsklasse – die vollständige Gegenüberstellung finden Sie in der obigen Vergleichstabelle und Entscheidungshilfe.
Kann ich ein Rillenkugellager direkt durch ein Schrägkugellager ersetzen?
Nicht ohne technische Prüfung.
Wenn Gehäuse und Welle für eine Einzellagerung ausgelegt sind, erzeugt der Einbau eines einzelnen Schrägkugellagers eine einseitige axiale Führung. Dadurch kann eine unvorhersehbare Vorspannung entstehen oder die Welle axial Spiel behalten.
In vielen Fällen ist eine konstruktive Anpassung erforderlich, um ein DB-Lagerpaar aufzunehmen.
Eine grundlegende Einführung in die Konstruktion von Rillenkugellagern finden Sie in unserem Leitfaden zuWas ist ein Rillenkugellager?.
Welche Nachteile haben Rillenkugellager?
Die wichtigsten Nachteile von Rillenkugellagern ergeben sich aus ihrer Punktberührungskonstruktion: Hinsichtlich der Tragfähigkeit liegen sowohl die radiale als auch die axiale Belastbarkeit unter der von gleich großen Rollenlagern oder Schrägkugellagern, weshalb sie für hohe Lasten ungeeignet sind. Konstruktiv weisen sie eine geringere Steifigkeit sowie eine schwächere Widerstandsfähigkeit gegenüber Stoß- und Schwingungsbelastungen auf und reagieren vergleichsweise empfindlich auf Wellenfehlstellungen, da sie nur geringe Winkelabweichungen zulassen. Bei sehr hohen Drehzahlen kann es zudem zu Kugelschlupf und Käfiginstabilität kommen, während offene, also nicht abgedichtete Ausführungen durch Staub- und Feuchtigkeitskontamination zu beschleunigtem Verschleiß neigen. Daher eignen sich Rillenkugellager vor allem für leichte bis mittlere Lasten, mittlere Präzisionsanforderungen und relativ saubere Betriebsbedingungen. Für Anwendungen mit hohen Lasten, hoher Steifigkeit oder größerer Toleranz gegenüber Fehlausrichtungen sollten stattdessen andere Lagerbauarten eingesetzt werden.
Haben Rillenkugellager überhaupt einen Kontaktwinkel?
Im Grunde ja – allerdings nicht in derselben Weise ein ausgeprägter Konstruktionsparameter. Unter reiner Radialbelastung arbeiten Rillenkugellager mit einem Berührungswinkel von etwa 0°.
Mit zunehmender Axialbelastung steigt der wirksame Berührungswinkel auf etwa 5–15° an.
Deshalb können Rillenkugellager auch gewisse Axialkräfte aufnehmen; die Tragfähigkeit ist jedoch begrenzt und nimmt mit steigender Drehzahl rasch ab.
Was bedeutet „Vorspannung“ bei Schrägkugellagern?
Die Vorspannung ist eine gezielt eingebrachte axiale Druckkraft, die bei der Montage auf ein Paar Schrägkugellager aufgebracht wird.
Sie beseitigt das innere Lagerspiel und erhöht die Steifigkeit der Lageranordnung; beides verbessert die Rundlaufgenauigkeit und verhindert Kugelschlupf bei hoher Drehzahl.
Die Vorspannung wird üblicherweise in leicht (C), mittel (CA) oder hoch (CB) eingestuft und bei der Bestellung aufeinander abgestimmter Lagersätze angegeben.
Herstellerseitig abgestimmte Lagersätze werden mit voreingestellter Vorspannung geliefert; eine Nachjustierung sollte nur erfolgen, wenn Sie das Ergebnis sicher prüfen können.
Was ist für Elektromotoren die bessere Wahl – Rillenkugellager oder Schrägkugellager?
In der überwiegenden Mehrzahl der Elektromotoren sind Rillenkugellager die richtige Wahl.
Elektromotoren weisen typischerweise mäßige Axialkräfte in beide Richtungen auf, etwa durch Rotorgewicht, Riemenspannung oder Kupplungsfehlausrichtung.
Rillenkugellager nehmen diese Belastungen konstruktiv problemlos auf. Schrägkugellager sind nur bei Motorkonstruktionen mit hoher einseitiger Axialkraft gerechtfertigt – etwa bei Vertikalmotoren mit schweren Rotoren oder direkt gekoppelten Pumpenwellen mit hoher hydraulischer Axialkraft.
Woran erkenne ich, ob mein aktuelles Lager axial überlastet ist?
Achten Sie auf folgende Anzeichen: Verfärbungen oder Anlauffarben an den Lagerringen im Bereich der Laufbahn als thermischer Hinweis, eine Verlagerung der Laufbahn zu einer Schulter am Außenring oder Ausbrüche, die nicht in der Mitte, sondern am Rand des Kontaktellipsenbereichs beginnen.
All diese Merkmale deuten darauf hin, dass das Lager an der Grenze seiner Axialtragfähigkeit betrieben wird.
Fazit
Rillenkugellager sind die Arbeitspferde der rotierenden Maschinentechnik – vielseitig, wirtschaftlich und leistungsfähiger, als ihnen häufig zugeschrieben wird.
Für die meisten industriellen Anwendungen sind sie die richtige Wahl.
Schrägkugellager sind für ein engeres, aber entscheidendes Einsatzspektrum ausgelegt: kombinierte Belastungen mit hoher Axialkraft, hochpräzise Spindelanwendungen sowie Fälle, in denen Lagersteifigkeit und Rundlaufgenauigkeit höchste Priorität haben.
Starten Sie denISO 281vor der Auslegung eine Berechnung der äquivalenten dynamischen Belastung durchzuführen.
Betrachten Sie das tatsächliche Lastkollektiv — nicht nur die Spitzenlast — und prüfen Sie, ob die axiale Lastrichtung fest vorgegeben ist oder wechselt.
Diese drei Schritte führen Sie klar zum passenden Lager,jedes Mal.






