Wälzlager sind unverzichtbare Bauteile in Maschinen, da sie einen ruhigen und effizienten Drehbetrieb ermöglichen. In Branchen wie der Stahlproduktion, in Öfen und in Gasturbinen können extrem hohe Temperaturen auftreten. Unter diesen Bedingungen ist die Auswahl des geeigneten Lagers entscheidend.
In diesem Blog erläutern wir, wie Sie die richtigen Werkstoffe auswählen und worauf beim Einsatz von Lagern bei hohen Temperaturen zu achten ist. Außerdem geben wir praktische Hinweise zur Auswahl geeigneter Hochtemperaturlager für Ihren Bedarf.

Wichtige Auswahlkriterien für Hochtemperaturlager
Betriebstemperatur
Temperaturgrenzen von Lagerwerkstoffen verstehen
Lagertyp | Temperaturgrenze | Werkstoffe |
Keramiklager | Bis zu 1600°C | Siliziumnitrid (Si3N4), Zirkonoxid (ZrO2) |
Hybridlager | Bis zu 500°C | Stahlringe mit Keramikkugeln |
Hochtemperatur-Stahllager | Bis zu 500°C | Martensitischer Edelstahl (SUS440C), ausscheidungshärtbarer Stahl (SUS630) |
Auswirkungen extremer Hitze auf Lagerkomponenten
Auswirkungen auf Ringe, Wälzkörper, Käfige und Dichtscheiben: Extreme Hitze kann diese Bauteile schädigen und sie im Zeitverlauf schwächen sowie in ihrer Wirksamkeit beeinträchtigen.
Risiken der Wärmeausdehnung: Hohe Temperaturen können zur Ausdehnung der Lagerbauteile führen. Dadurch verringert sich das Spiel, und die Reibung nimmt zu.
Werkstoffstabilität: Entscheidend ist der Einsatz von Werkstoffen, die auch bei hohen Temperaturen ihre Form und Abmessungen beibehalten. So wird eine zuverlässige Funktion sichergestellt und Ausfällen unter extremer Hitze vorgebeugt.
Tragfähigkeit und Drehzahl
Lastarten und ihre Auswirkungen auf die Lagerauswahl
Axial- und Radiallasten: Hohe Temperaturen können die Lagerwerkstoffe schwächen.
Dadurch wird es für die Lager schwieriger, mechanische Belastungen sowohl aus axialen Kräften (entlang der Welle) als auch aus Radialkräften (quer zur Welle) sicher aufzunehmen.
Kombinierte Lasten: Hochtemperatur-Lager müssen sorgfältig ausgewählt werden, damit sie sowohl axiale als auch radiale Lasten aufnehmen können. Dies ist insbesondere bei hohen Temperaturen von entscheidender Bedeutung.
Drehzahlaspekte bei Hochtemperatur-Lagern
Hochtemperatur-Lager in Hochgeschwindigkeitsanwendungen stehen vor der Herausforderung, verstärkte Reibung und Wärmeentwicklung zu bewältigen. Daher ist der Einsatz von Werkstoffen unverzichtbar, die sowohl hohe Drehzahlen als auch die damit verbundene thermische Belastung sicher aushalten.
Zwischen Tragfähigkeit und Drehzahl besteht häufig ein Zielkonflikt. Hochdrehzahl-Lager aus Werkzeugstahl wie M50 sind für extreme Einsatzbedingungen ausgelegt. Sie bieten einen ausgewogenen Kompromiss zwischen hoher Leistungsfähigkeit und Dauerhaltbarkeit unter starken Belastungen.
Schmierung von Hochtemperatur-Lagern
Herausforderungen bei der Schmierung von Lagern bei erhöhten Temperaturen
Hohe Temperaturen können herkömmliche Schmierstoffe wie Mineralöle zersetzen. In der Folge steigen Reibung und Verschleiß deutlich an. Das führt zu einer geringeren Leistungsfähigkeit und einer verkürzten Lebensdauer von Hochtemperatur-Lagern.
Bei der Auswahl eines Schmierstoffs stehen im Wesentlichen zwei Optionen zur Verfügung: Fett und Festschmierstoffe. Hochtemperaturfette, etwa fluorierte Fette wie EXSEV-EX, sind in bestimmten Anwendungen wirksam. Sie eignen sich besonders dort, wo Flüssigschmierstoffe eingesetzt werden können.
Festschmierstoffe wie Molybdändisulfid (MoS2) und Wolframdisulfid (WS2) eignen sich besser für hohe Temperaturen. Sie zersetzen sich nur schwer und gewährleisten eine zuverlässige Schmierung.
Die richtige Schmierung für unterschiedliche Temperaturbereiche auswählen
Temperaturbereich | Empfohlene Schmierung |
Bis 260 °C | Fluoriertes Fett kann wirksam sein. |
Über 260 °C | Schichtgitterwerkstoffe (Festschmierstoffe) sind erforderlich, eignen sich jedoch möglicherweise nicht für Reinraumanwendungen. |
Über 500 °C | Keramische Lager ohne Schmierung werden häufig eingesetzt, da keine wirksamen Schmierstoffe zur Verfügung stehen. |
Werkstoffauswahl für Hochtemperaturlager
Vorteile:
Hohe Hitzebeständigkeit
Geringe Wärmeausdehnung
Korrosionsbeständigkeit
Nicht magnetisch
Nicht leitfähig
Nachteile:
Hohe Kosten
Spröde Werkstoffeigenschaften
Geringere Tragfähigkeit im Vergleich zu Stahl
Anwendungen:
Ideal für den Einsatz in Öfen
Komponenten für die Luft- und Raumfahrt
Reinraumgeräte

Hybridlager
Vorteile:
Kombiniert die Festigkeit und Verschleißfestigkeit von Stahlringen mit der geringen Reibung und der hohen Wärmebeständigkeit von Keramikkugeln.
Anwendungen:
Hochgeschwindigkeitsmaschinen
Elektromotoren
industrielle Hochtemperaturumgebungen

Hochgeschwindigkeits-Wälzlager aus Werkzeugstahl
Werkstoffe:
Stähle M50, BG42 und XD16N.
Vorteile:
Geeignet für extreme Drehzahlen und Temperaturen.
Bietet hohe Festigkeit und lange Lebensdauer.
Anwendungen:
Stahlwerke
Turbinen für die Luft- und Raumfahrt
Hochleistungsmaschinen
Besondere Anforderungen an Hochtemperaturlager
Thermische Ausdehnung und Lagerluftmanagement
Wärmeausdehnungskoeffizient (CTE)
Verschiedene Werkstoffe dehnen sich bei Erwärmung unterschiedlich stark aus. Keramik weist eine geringe Ausdehnung auf, während Stahl eine deutlich höhere Ausdehnung besitzt.
Die korrekte Lagerluft bei Hochtemperaturlagern ist sicherzustellen. So lassen sich Probleme wie erhöhter Innendruck und Fressen des Lagers vermeiden.
Lagerluft unter Hochtemperaturbedingungen beherrschen
Bei Normaltemperatur sollte ein zusätzlicher Lagerluftspalt vorgesehen werden. So lässt sich die Materialausdehnung bei steigender Temperatur berücksichtigen.
Eine falsche Lagerluft kann bei Hochtemperaturlagern zu einer Fehlausrichtung führen und Reibung sowie Verschleiß erhöhen. Dadurch verkürzt sich die Lebensdauer der Hochtemperallager, während das Ausfallrisiko steigt.
Korrosionsbeständigkeit in Hochtemperaturumgebungen
Keramische Werkstoffe im Vergleich zu Edelstahl
Siliziumnitrid (Si3N4) ist gegenüber den meisten Säuren und alkalischen Lösungen beständig. Gegenüber Flusssäure kann es jedoch angegriffen werden.
Zirkonoxid (ZrO2) und Siliziumkarbid (SiC) bieten eine hervorragende Korrosionsbeständigkeit. Sie eignen sich sowohl für stark saure als auch für alkalische Umgebungen.
Die richtigen Lager für korrosive Hochtemperaturbedingungen auswählen
Keramische Werkstoffe eignen sich hervorragend für Umgebungen mit korrosiven Gasen, Chemikalien oder Salzwasser. Daher sind sie besonders geeignet für den Einsatz in Chemieanlagen und der maritimen Industrie.
Umgebungsfaktoren: Reinraum- und Vakuumanwendungen
Lager für Reinraumumgebungen
Der Einsatz martensitischen Edelstahls (SUS440C) und polymerer Festschmierstoffe trägt dazu bei, Partikelemissionen zu reduzieren.
Hochtemperaturlager eignen sich ideal für den Einsatz in der Halbleiterfertigung, der Lebensmittelverarbeitung und in Reinraumumgebungen.
Lager für Vakuumumgebungen
Für Vakuumbedingungen sind Lager aus Edelstahl (JIS SUS630) oder Keramik bevorzugte Optionen.
In Vakuumumgebungen kommen häufig WS2 und MoS2 als Schmierstoffe zum Einsatz.
Beim Einsatz von Hochtemperaturlagern in Vakuumumgebungen sind der Vakuumdruck und Temperaturschwankungen zu berücksichtigen.
Gängige Hochtemperaturlagertypen und ihre Einsatzbereiche
Vollkeramiklager
Wesentliche Merkmale
Bestehen vollständig aus keramischen Werkstoffen wie Siliziumnitrid oder Zirkonoxid.
Geeignet für extreme Temperaturen bis zu 1600°C.
Zu den Anwendungen zählen Triebwerksturbinen, Anlagen der Halbleiterfertigung und Hochtemperatur-Industrieöfen.
Stärken und Schwächen
Stärke: Hervorragende Wärme- und Korrosionsbeständigkeit.
Schwäche: Geringere Tragfähigkeit und höhere Kosten im Vergleich zu Hybrid- oder Stahlwälzlagern.
Hybrid-Keramiklager
Werkstoffaufbau
Hybrid-Keramiklager bestehen aus Stahlringen in Kombination mit Keramikkugeln.
Sie werden typischerweise bei Temperaturen bis zu 500°C eingesetzt.
Typische Anwendungen sind hochdrehende Industriemaschinen, Hochleistungsmotoren und Triebwerke der Luft- und Raumfahrt.
Vorteile
Vereint die Tragfähigkeit von Stahl mit der Wärmebeständigkeit und dem geringen Reibwert von Keramik.
Wirtschaftlicher als Vollkeramiklager.
Hochtemperatur-Stahllager
Geeignete Einsatzbereiche
Geeignet für Anwendungen bis zu 350°C.
Zu den gängigen Werkstoffen zählen martensitischer Edelstahl (SUS440C) und ausscheidungshärtender Stahl (SUS630).
Typische Anwendungen sind Stahlwerke, Abgasanlagen im Automobilbereich, Öfen in der Lebensmittelverarbeitung und Brennöfen.
So sichern Sie Lebensdauer und Leistungsfähigkeit von Hochtemperaturlagern
Fachgerechte Montage und Passung
Temperatureinfluss auf die Lagermontagepassung
Unterschiedliche Wärmeausdehnungskoeffizienten beeinflussen das Passungsverhalten von Hochtemperaturlagern im Betrieb. Werkstoffe, die sich unterschiedlich stark ausdehnen, können die Lagerluft verändern und damit die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.
Stellen Sie bei der Montage die korrekte Lagerluft für Hochtemperaturlager sicher. Dies ist insbesondere im Einsatz bei hohen Temperaturen entscheidend. So bleiben Ausrichtung und Laufverhalten erhalten, während das Risiko von Überhitzung oder Fressen sinkt.
Umfangsspannung und Lagerringe
Es ist entscheidend, dass die Umfangsspannung an den Lagerringen von Hochtemperaturlagern die Streckgrenze bei hohen Temperaturen nicht überschreitet. Eine zu hohe Umfangsspannung kann zu Verformungen oder zum Ausfall der Ringe führen und damit ihre Integrität und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Eine geeignete Auslegung und Werkstoffwahl sind wesentlich, um sichere Betriebsbedingungen zu gewährleisten und die Lebensdauer der Hochtemperaturlager zu verlängern.
Wartung und Überwachung
Präventive Wartung für Hochtemperaturlager
Regelmäßige Inspektionen sind für Hochtemperaturlager wichtig. Prüfen Sie fortlaufend Verschleiß, Schmierstoffstand und Lagerluft. So lassen sich potenzielle Probleme frühzeitig erkennen, bevor sich der Zustand der Hochtemperaturlager weiter verschlechtert.
Schmierstoffmanagement: Schmierstoffe bei Bedarf nachschmieren und Hochtemperaturlager beim ersten Anzeichen von Verschleiß oder Beschädigung ersetzen. Rechtzeitige Wartung kann ungeplante Ausfälle verhindern und die Lebensdauer der Hochtemperaturlager verlängern.
Frühzeitige Erkennung von Lagerausfällen
Achten Sie auf übermäßige Geräusche, erhöhten Reibungswiderstand oder Temperatursprünge, da dies auf einen möglichen Ausfall von Hochtemperaturlagern hinweisen kann.
Der Einsatz von Überwachungssystemen ist für Hochtemperaturanwendungen unverzichtbar. Sie erkennen frühe Ausfallanzeichen, ermöglichen eine rechtzeitige Wartung und helfen, kostspielige Stillstände zu vermeiden.
Fazit
Zusammenfassend hängt die Leistungsfähigkeit von Hochtemperaturlagern von Betriebstemperatur, Werkstoffwahl, Tragfähigkeit und Schmierung ab. Die Auswahl der passenden Hochtemperaturlager erhöht Lebensdauer und Zuverlässigkeit und senkt zugleich Wartungs- und Stillstandskosten.
Die Anpassung von Hochtemperaturlagern an den jeweiligen Einsatzfall ist entscheidend für eine optimale Leistung. Eine fachkundige Beratung ist daher sinnvoll. Experten können wertvolle Unterstützung leisten, damit Sie die passenden Lager für Ihre Anwendung auswählen.


